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Schwules Museum - Hommage an Thomas Mann

Ausstellung zum 50. Todestag

© Die Berliner Literaturkritik, 01.06.05

 

BERLIN (BLK) - Warum gerade Thomas Mann im Schwulen Museum? Auch wenn der Autor seine Homosexualität nie ausgelebt hat, blieb sie seinen Lesern nicht verborgen. Seine 1912 erschienene Novelle „Tod in Venedig“ beispielsweise ist laut Kurator Wolfgang Theis fester Bestandteil des schwulen Bildungskanons. Vor allem aber in seinen Tagebüchern hat sich Mann ausdrücklich zu seinen homosexuellen Neigungen bekannt. Diese stehen deshalb auch im Mittelpunkt der Ausstellung.

Geschichte

Mann unterzeichnete 1922 die Petition des Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld zur Abschaffung des Anti-Homosexuellen-Paragrafen 175 aus dem Reichsstrafgesetzbuch. Wie kaum ein anderer Literat des 19. und 20. Jahrhunderts sei Thomas Mann eine wichtige Identifikationsfigur für homosexuelle Männer gewesen, so Wolfgang Theis. Er habe seine Homosexualität nie ausgelebt, sondern sublimiert. Dieser Kulturleistung sei ein umfangreiches Werk voller Anspielungen und Verweise zu verdanken.

Die Ausstellung

Der erste Raum zeigt Thomas Mann im Kreise seiner Familie. Die Spannungen zwischen ihm und seinem Bruder Heinrich werden beleuchtet, ebenso wie das Spannungsfeld, welches durch die Homosexualität drei seiner Kinder erzeugt wurde. Der Besucher kann sich aus Zitaten und Bildern von Familienmitgliedern, Büchern, Skulpturen sowie Porträts und Zitaten des Autors selbst ein Bild machen.

Thomas Manns Tagebücher sind zentraler Bestandteil der Ausstellung. Eine Text-Foto-Installation präsentiert ihn als mutigen Bekenner einer späten Leidenschaft. In seinen Tagebüchern beschrieb er immer wieder seine verdrängten homoerotischen Gefühle, aber auch seine letzte große Liebe zu einem Kellner, den er 1950 bei einem Aufenthalt in einem Berghotel kennen lernte.

Der zweite Raum widmet sich der Rezeption des Werkes. Die Verfilmungen seiner Romane werden vorgestellt, Mann wird als politischer Autor gezeigt. Die Ausstellung findet ihr Ende in Zitaten von Zeitgenossen und Kollegen, die liebevoll und verehrend, aber teilweise auch kritisch und abfällig sind.

Das Museum

Das Berlin Museum zeigte ab Mai 1984 die erste Schwulenausstellung in einem staatlichen Museum: „Eldorado - Geschichte, Alltag und Kultur Homosexueller Frauen und Männer in Berlin 1850-1950“. Die Organisatoren dieser Ausstellung Manfred Baumgardt, Andreas Sternweiler und Wolfgang Theis beschlossen nach Ende des erfolgreichen Projekts ein eigenes Museum - ein Schwules Museum - zu gründen. Es sollte die Geschichte der homosexuellen Männer in den Mittelpunkt stellen. Am 6. Januar 1986 wurde schließlich der „Verein der Freunde eines Schwulen Museums in Berlin e.V.“ gegründet. 1987 fand die erste Ausstellung in den Räumen der Allgemeinen Homosexuellen Arbeitsgemeinschaft in der Friedrichstrasse statt, wo auch eine Museumsbibliothek und ein Archiv eingerichtet wurden. Im selben Jahr erschien die Museumszeitschrift „Capri“. Seit 1988 ist das Museum am Mehringdamm 61 untergebracht. Es beherbergt zwei Ausstellungsetagen. Im unteren Geschoss werden wechselnde Fotoausstellungen über das schwule Leben gezeigt. Die Dauerausstellung befindet sich eine Etage höher. Auf mehreren Geschichtstafeln und anhand zahlreicher Fotodokumente wird das homosexuelle Leben, insbesondere dessen Entwicklung in Deutschland und speziell in Berlin, von 1700 bis 1990 dokumentiert.

Kristina Lüdemann


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