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Neuer Roman von Rainer Moritz

Zweite Chance für „Madame Cottards“ Liebe

© Die Berliner Literaturkritik, 08.06.11

MORITZ, RAINER: Madame Cottard und die Furcht vor dem Glück, Piper, München 2011, 255 S., 17,95 €.

Von Marco Krefting

Rainer Moritz macht da weiter, wo er aufgehört hat: Nach dem Romandebüt „Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe“ hat Hauptfigur Nathalie in seinem neuen Werk „Furcht vor dem Glück“. Im ersten Buch zwang der Autor, Leiter des Literaturhauses Hamburg, sie noch mittels eines Wasserschadens in die Nachbarswohnung. Dort lernte sie Robert Bernthaler kennen und lieben. Nun verbringen die beiden ihren ersten gemeinsamen Urlaub in der Bretagne - doch bevor aus der Liebelei eine Beziehung wird, droht ein Anruf das Glück zu zerstören.

Robert, baden-württembergischer Fachmann für Naturkorken, soll die französische Dependance verlassen und zurück nach Tübingen. Schnell packt er seine Koffer, verlässt seine Wohnung, kauft sich eine neue. Die Beziehung zur Buchhändlerin Nathalie wird eine Wochenendbeziehung mit viel Sex und Spaziergängen durch Paris. Gespickt mit Details dank der Ortskenntnis des Autors dürfte der Roman Liebhabern der Stadt neue Erkenntnisse vor allem über deren Literaturgeschichte bringen.

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Nathalie, die auf ihren 40. Geburtstag zusteuert, genießt die seltene gemeinsame Zeit und scheint sich auch sonst recht wenig vor dem Glück zu fürchten - wie es der Romantitel ankündigt. Andeutungen dazu an einigen Stellen wirken meist konstruiert. Im Grunde sind Nathalies Gedanken wohl wenig besonders: Verliebt wünscht sie sich mehr Zweisamkeit und zweifelt hin und wieder, dass eine Fernbeziehung lange halten kann. Mit lüsternen Telefonaten und kleinen Geschenken überwindet das Paar Distanz und Sorgen jedoch ganz gut.

So wirkt auch der zweite Roman um Madame Cottard wie sein Vorgänger: ein bisschen belanglos. Weil der Autor kapitelweise die Perspektive wechselt, wird der Leser mit den Überlegungen von Robert und Nathalie vertraut - was mitunter in eine seitenlange Abhandlung über mögliche Hosenkäufe seinerseits und Ausflüge mit bedeutungsarmen Nebenfiguren ihrerseits ausartet.

Ab und zu gelingt mit Hilfe der intimen Gedanken aber auch eine Prise Humor, als etwa Robert im Zug eine Sitznachbarin bekommt: „Das fehlte noch, eine Raum füllende Frau, die ihm ein Gespräch aufdrängte. (...) Eine gut gepolsterte, hellrosa Hautfalte blitzte auf, für ein paar Schrecksekunden, er wandte sich ab, unfähig diesen Anblick zu ertragen.“

Fragt sich nur, für wen der Roman geschrieben sein soll. Für die Frau ab 40, die wie Nathalie mitten im Leben und trotz erster Fältchen selbstbewusst zu ihrem Körper steht? Oder für den Mittvierziger, der Temperament und Gelenkigkeit im Bett gelobt wissen will? Jedenfalls baut „Madame Cottard und die Furcht vor dem Glück“ auf Moritz' ersten Roman auf. Wer den nicht kennt, hat aber nichts verpasst. Wer auf den Nachfolger verzichtet, auch nicht wirklich.

Weblink: Piper Verlag


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