Werbung

Werbung

Werbung

Grass trommelt wieder für die SPD

Günter Grass will Schwung in den Wahlkampf der SPD bringen

© Die Berliner Literaturkritik, 09.09.09

BERLIN (BLK) - Der 81-jährige Literaturnobelpreisträger Günter Grass („Die Blechtrommel“) will wieder lautstark für die SPD die Wahlkampf-Trommel rühren. „Das läuft mir noch zu lasch und ohne Feuer ab“, sagte der Schriftsteller am Dienstag (8.9.) zum Auftakt seiner „politischen Lesereise“ in Berlin: „Euch fehlt ein Herbert Wehner im Hintergrund. Ich kann ihn nicht ersetzen, aber ich werde es wenigstens versuchen.“

Wie schon in den 60er Jahren, als er für die „EsPeDe“ und Willy Brandt trommelte, will Grass in mehreren Städten, darunter auch im Wahlkreis von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern), wieder für die SPD auf Wahlkampf gehen. Grass war Anfang der 90er Jahre wegen eines Streits in der Asylfrage aus der SPD ausgetreten. Nach Berlin stehen noch fünf ostdeutsche Städte auf dem Programm seiner Wahlkampfreise - Neuenhagen, Eberswalde, Stralsund, Halle und Dresden.

Grass wirbt für eine rot-grüne Mehrheit, „notfalls“ sei aber die Fortsetzung der großen Koalition einer schwarz-gelben Bundesregierung vorzuziehen, meinte er in der Berlinischen Galerie. Erschienen waren auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse sowie der Politgrafiker und Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck. Thierse wandte sich gegen „Vorurteile“, Künstler und Intellektuelle hätten mit der SPD „nichts mehr am Hut“, weil die Sozialdemokratie für sie ein „Auslaufmodell“ sei. „Die Unterstützung ist wieder enorm“, betonte Thierse, weil vielen vor allem eines am Herzen liege: „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Kultur für die unfähigen Banker zu bluten hat.“

Die Sozialdemokratie befinde sich zwar im Moment „in einer beängstigend schwachen Situation“, sagte Grass. Doch sei die SPD im jetzigen Wahlkampf mit Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier und Finanzminister Peer Steinbrück „gut aufgestellt“, vergleichbar mit dem Duo aus den 60er Jahren mit Brandt und Karl Schiller als Außen- beziehungsweise Wirtschaftsminister. „Ich bin auch ein Ulla-Schmidt-Fan. Sie macht mit die härteste Arbeit gegen eine starke und zum Teil korrupte Lobby.“ Mit der Linken sei auf Bundesebene zurzeit „nichts anzufangen“, sie sei dafür „noch nicht reif“, meinte Grass.

Grass erneuerte seine Ansicht, dass die größte Gefahr in der Bundesrepublik „nicht vom Terrorismus, der NPD oder der Linkspartei“ ausgehe, sondern davon, dass „das Parlament umzingelt und durchdrungen ist von einer einflussreichen Lobby bis in die Banketagen“, die die eigentlichen Weichenstellungen für die Gesetzgebung in Deutschland machten. (dpa/hel)


Bookmark and Share

BLK mit Google durchsuchen: