Die wichtigsten Literatur-Preisträger im Überblick
Der Historiker und Publizist Karl Schlögel erhält den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2009. Die mit einem Preisgeld von 15.000 Euro verbundene Auszeichnung wird ihm für sein Werk „Terror und Traum. Moskau 1937“ zuerkannt. Der erstmals verliehene „Ripper Award“ geht an Henning Mankell. Der schwedische Krimiautor bekommt den neu geschaffenen Europäischen Preis für Kriminalliteratur, der mit 11.111 Euro dotiert ist. Der in der Ukraine geborene Autor Michail Jelisarow hat für seinen mystischen Roman „Der Bibliothekar“ den russischen Booker-Preis erhalten. Die Jury in Moskau verlieh die mit 20.000 US-Dollar (15.700 Euro) dotierte Auszeichnung für den besten russischsprachigen Roman.
Weitere Preisträger sind Michael Köhlmeier (Bodensee-Literaturpreis), Peter Urban (Turgenjew-Preis) und Reiner Kunze (Memminger Freiheitspreis 1525).
Der Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio hat am 10. Dezember als 14. Franzose den Nobelpreis für Literatur in Empfang genommen. Schwedens König Carl XVI. Gustaf zeichnete den Autor von Romanen wie „Der Afrikaner“, „Revolutionen“ und „Die Sintflut“ zusammen mit den wissenschaftlichen Preisträgern im Stockholmer Konzerthaus aus. Die Schwedische Akademie als Jury begründete ihre Entscheidung mit Le Clézios literarischer Rolle als „Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase“. In den deutschsprachigen Raum ist der Literaturnobelpreis zuletzt 2004 gegangen, als die Österreicherin Elfriede Jelinek (62) ausgezeichnet wurde. 1999 hatte der bei Lübeck lebende Günter Grass (81) den Preis bekommen.
Der Historiker und Publizist Karl Schlögel erhält den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2009. Die mit einem Preisgeld von 15.000 Euro verbundene Auszeichnung wird ihm für sein Werk „Terror und Traum. Moskau 1937“ zuerkannt. In dem „Opus magnum“ vergegenwärtige er eine Zeit und Gesellschaft, in der Terror und Traum fließend ineinander übergingen, hieß es in der Begründung der Jury. „Mit tiefem Respekt vor dem Unverständlichen“ erforsche der Autor akribisch das Stalinsche Schreckensjahr und schildere zugleich „auf faszinierende Weise“ das Moskau der 1930er Jahre als aufstrebende europäische Metropole. Der Preis wird zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse 2009 (12. bis 15. März) am 11. März verliehen.
Der erstmals verliehene „Ripper Award“ geht an Henning Mankell. Der schwedische Krimiautor bekommt den neu geschaffenen Europäischen Preis für Kriminalliteratur, der mit 11.111 Euro dotiert ist. „Mit seiner Kurt-Wallander-Serie hat er das Genre auf ein neues Niveau gebracht“, hieß es in der Begründung der Jury. Die Auszeichnung werde am 2. März 2009 in Unna verliehen, teilte das Westfälische Literaturbüro mit. Die Besucher des Krimifestivals „Mord am Hellweg“ sowie Krimifans aus mehr als 20 Ländern hatten Mankell zu ihrem Favoriten gewählt. Seine Bücher um den skurrilen Kommissar Kurt Wallander sind in 33 Ländern veröffentlicht worden. Verfilmungen von Mankells Krimis sind auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt worden. Die Auszeichnung soll künftig alle zwei Jahre im Rahmen des Festivals vergeben werden.
Der in der Ukraine geborene Autor Michail Jelisarow hat für seinen mystischen Roman „Der Bibliothekar“ den russischen Booker-Preis erhalten. Die Jury in Moskau verlieh die mit 20.000 US-Dollar (15.700 Euro) dotierte Auszeichnung für den besten russischsprachigen Roman. Der 35-Jährige sagte bei der Preisverleihung am Vorabend, dass er das Buch während eines Aufenthaltes in Deutschland und Österreich geschrieben habe. Jelisarow hat in der Ukraine Philologie studiert und Mitte der 1990er Jahre in Hannover eine Ausbildung zum Regisseur absolviert. Heute lebt er vor allem in Moskau. Die russische Auszeichnung wird nach dem Vorbild des britischen Booker Prize seit 1992 jährlich vergeben.
Bodensee-Literaturpreis an Michael Köhlmeier
Der österreichische Schriftsteller Michael Köhlmeier ist am 14. Dezember mit dem Bodensee-Literaturpreis der Stadt Überlingen ausgezeichnet worden. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde ihm für seinen Roman „Abendland“ sowie für sein Gesamtwerk überreicht. In ihrer Laudatio nannte Ulrike Längle von der Vorarlberger Landesbibliothek den Preisträger einen „Meister des Erzählens“. Köhlmeier sei ein herausragender Vermittler von mündlicher und schriftlicher Literatur. Seinen 2007 veröffentlichten Roman „Abendland“ bezeichnete sie als „weit gespanntes, intelligent verflochtenes Netz von Geschichten“. Überlingen vergibt den Bodensee-Literaturpreis seit 1954 meist alle zwei Jahre. Ausgezeichnet werden Autoren aus den Bodensee-Anrainerländern Deutschland, Österreich und der Schweiz für Werke, die inhaltlich oder geografisch eine Beziehung zur Region haben.
Der mit 20.000 Euro dotierte Turgenjew-Preis für Übersetzungen russischer Literatur ins Deutsche ist an den Slawisten Peter Urban vergeben worden. Urban, bekannt als Übersetzer der Werke von Anton Tschechow, Daniil Charms, Alexander Puschkin und anderer russischer Autoren, nahm den von der Moskauer Jelzin-Stiftung ausgelobten Preis am 14. Dezember in Berlin entgegen. Urban deutete den erstmals verliehenen Preis „als Zeichen für den Willen, die russisch-deutschen Beziehungen im kulturellen Bereich zu beleben“. In seiner Dankrede beklagte er, dass durch die Auflösung von DDR-Verlagen wie Volk und Welt oder Rütten und Loening viel Wissen über russische Kultur und Literatur in Deutschland verloren gegangen sei.
Der Lyriker Reiner Kunze erhält den Memminger Freiheitspreis 1525. Wie die Stadt Memmingen mitteilte, würdigt die Jury damit die Lebensleistung Kunzes, der heute im niederbayerischen Obernzell lebt. In der DDR geboren, wurde der regimekritische Schriftsteller bespitzelt und gegängelt, bis er 1977 in die Bundesrepublik übersiedelte. Bis heute unerreicht ist nach Auffassung der Jury sein „gleichermaßen scharfsinniger wie sensibler Umgang mit der deutsch-deutschen Vergangenheit“. Vor allem seine Gedichte seien „ein Bekenntnis zum Leben und zu seinem Recht auf Entfaltung“. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wird am 20. März 2009 verliehen. Bundespräsident Horst Köhler wird nach Angaben der Stadt Memmingen die Laudatio halten.
Europäischer Poesie-Preis an Caius Dobrescu
Mit dem Europäischen Poesie-Preis der Stadt Münster werden 2009 der rumänische Dichter Caius Dobrescu und sein Übersetzer Gerhardt Czejka geehrt. Die beiden Preisträger teilen sich die mit 15.500 Euro dotierte Auszeichnung, die alle zwei Jahre vergeben wird. Wie die Stadt Münster am 11. Dezember mitteilte, wird Dobrescu für seinen Gedichtband „Ode an die freie Unternehmung“ geehrt. Die Verleihung des seit 1993 ausgelobten Europäischen Poesie-Preises der Stadt Ende März 2009 ist der Höhepunkt des Internationalen Lyrikertreffens in Münster.
Der britische Schriftsteller John le Carré ist von der Universität Bern mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet worden. Die Hochschule ehrt einen ehemaligen Studenten: David John Moore Cornwell, wie le Carré mit bürgerlichem Namen heißt, studierte 1948 und 1949 deutsche Literatur in der Schweizer Hauptstadt, wie aus Unterlagen der Universität hervorgeht. Der Autor von Werken wie „Der Spion, der aus der Kälte kam“ wird nach Angaben der Universität unter anderem geehrt, weil er den Spionageroman von Grund auf erneuert und ihm eine literarische Tiefendimension verliehen habe.
Unter dem Motto „Geisteswissenschaften International“ haben 14 deutschsprachige Bücher einen Preis erhalten, der ihre Übersetzung fördern soll. Mit insgesamt 200.000 Euro unterstützen der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Fritz Thyssen Stiftung und das Auswärtige Amt die Verbreitung dieser Werke aus Geistes- und Kulturwissenschaft in englischer Sprache, teilte der Börsenverein mit. Ziel sei es, die Forschungsergebnisse weltweit zugänglich zu machen und Deutsch als Wissenschaftssprache zu erhalten. Eingereicht wurden insgesamt 40 Werke. Unter den Preisträgern sind „Das Mittelalter“ von Johannes Fried, „Kafka – Die Jahre der Erkenntnis“ von Reiner Stach und Jan Philipp Reemtsmas „Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne“.