BERLIN (BLK) – Im Jahr der Olympischen Sommerspiele in Peking ruft die Peter-Weiss-Stiftung wieder zu einer weltweiten Lesung zum „Jahrestag der politischen Lüge“ am 20. März auf. Dabei soll der Essay des chinesischen Schriftstellers Lu Xun (1881-1936) „Ich erinnere mich, um zu vergessen“ gelesen werden, kündigte Ulrich Schreiber von der Peter-Weiss-Stiftung am Montag (28. Januar 2008) an.
Gerade im Jahr der Olympischen Spiele sei es sinnvoll, „auf die Zensur, das verordnete Schweigen zu Themen der jüngeren Geschichte Chinas, auf die enorm hohe Zahl von Todesurteilen in China, auf Tibet, die Zusammenarbeit mit dem Regime im Sudan und nicht zuletzt auf die Gefängnisstrafen für Bürgerrechtler hinzuweisen“. Erst vor wenigen Wochen sei der wegen seines Einsatzes für HIV-Infizierte und Menschenrechte bekannt gewordene 34-jährige Aktivist Hu Jia nach halbjährigem Hausarrest festgenommen worden.
Der Autor Lu Xun hatte zu Lebzeiten mehrfach versucht, der chinesischen Zensur zu entgehen. Er gilt in China als Begründer der modernen Literatur. Die Peter-Weiss-Stiftung initiiert die Lesung bereits zum dritten Mal. Sie fand erstmals 2006 am dritten Jahrestag des Kriegsbeginns im Irak statt. Vergangenes Jahr hatten Radiosender und Kulturveranstalter auf der ganzen Welt Texte der ermordeten russischen Journalistin Anna Politkowskaja gelesen. (dpa/wip)