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Was das Fotografen-Herz begehrt

China, neu gesehen vom Freigeist Josef Hoflehner

© Die Berliner Literaturkritik, 16.11.09

Von Thilo Resenhoeft

Der österreichische Fotograf Josef Hoflehner hat sich wie kaum ein zweiter den Nebel, das Licht und die Dunkelkammer zu Diensten gemacht. Für sein neues Buch „China“ ist er in vier Jahren siebenmal in und durch das riesige Land gereist. Selbst, wer wie er mehrfach dort war, wird das Reich auf den Bildern völlig neu entdecken. Die Verbotene Stadt in Peking zum Beispiel entsteigt einem feinen, grauen Nebelschleier und schafft eine unwirtliche Szene. Auch die verschlungenen Stämme des Waldes auf dem Victoria Peak in Hongkong recken sich in den Nebel, wo sie in unbestimmte Formen zerfließen.

Hoflehner ist ein Meister delikater, fein abgestufter Grauwerte. Er arbeitet mit alten Hasselblad-Kameras. Seine quadratischen Abzüge fertigt er auf klassische Weise auf Silbergelatine-Papier, dem er mit der Zugabe des Metalls Selen einen subtilen, feinen Braunstich verleiht. Eine schier endlose Vielfalt von Tonwerten ist das Ergebnis seiner von Museen und Sammlern geschätzten Arbeit. Der Verkauf ermöglicht es dem Autodidakten seit etwa zehn Jahren, sich exklusiv mit seiner künstlerischen Fotografie zu beschäftigen. Und diese Freiheit nutzt der Freigeist auch. Eines seiner Bilder zeigt vor hellem Untergrund einige geistgraue Schemen - eine ungewöhnliche Sicht auf ein gewöhnliches Fischbecken.

Nur in China hat man so eine große Spannbreite an Motiven: Unzählige historische Städte, moderne Skylines mit einigen der höchsten Gebäuden der Welt, einzigartige Flusslandschaften, Hochplateaus, endlose Küsten und vieles mehr - so ziemlich alles was mein Fotografen-Herz begehrt, sagt Hoflehner, der seit 35 Jahren als Berufsfotograf arbeitet.

Die Wolken und der Smog, die Dämmerung und die strahlenden Lichter der wuchernden Großstädte sind die Zutaten seiner Aufnahmen in der Sonderverwaltungszone Macau und in Shanghai. Dessen Skyline verschwindet fast im Dunst. Das gilt auch für das Wolkenkratzer-Meer der Stadt, über dem sich ein schwarz-bedrohlicher Himmel wölbt. Hier wie auf dem Bild einer Allee in Kanton (Guangzhou) zeigt Hoflehner, dass er dem Fotopapier auch das volle, tiefe Schwarz entlocken kann, um dem Grau einen starken Kontrast entgegenzusetzen.

Die Arbeit mit den Mittelformat-Kameras macht ein Stativ nötig und gleichzeitig die genaue Komposition der Szenerie möglich. Die gut 100 Fotografien des Buches wurden aus einem Bestand von nur rund 300 Aufnahmen gewählt. Dabei ist es egal, ob Hoflehner in einer banalen Fußgängerzone das wellenartige Pflaster ablichtet oder einem zerfurchten Gletscher vor schwarzer Felswand gegenübertritt: „Egal wo ich gerade bin, der Motivsucher ist immer in Betrieb. Ich bin immer auf der Suche, und die Kamera ist immer dabei.“

Wie am Li River, der von steil aufragenden, kegelförmigen Bergen gesäumt ist. Auch hier spielt Hoflehner mit Licht und Nebel, um Bilder zeitloser Schönheit zu schaffen. Nur wenige Fotografen stellen das Licht so gekonnt in ihren Dienst, und daher entwerfen nur wenige Künstler ein so einzigartiges Bild wie Josef Hoflehner vom alten und vom neuen China.

Literaturangabe:

HOFLEHNER, JOSEF: China. Text von Scott Minick und Frank van Haalen. Most Press, Wels 2009, 132 S., 103 s/w-Bilder, 57,40 €.

Weblink:

Most Press

 


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