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Walter Jens’ NSDAP-Mitgliedschaft

Der ehemalige Präsident des PEN-Zentrums wusste früher von NSDAP-Mitgliedskarte

© Die Berliner Literaturkritik, 09.02.09

 

MÜNCHEN (BLK) – Der Tübinger Rhetorik-Professor und ehemalige Präsident des deutschen PEN-Zentrums, Walter Jens (85), hat nach Angaben seines Sohnes über die Existenz einer NSDAP-Mitgliedskarte nicht die Wahrheit gesagt. Wie das Nachrichtenmagazin „Focus“ schreibt, will der Sohn des renommierten Geisteswissenschaftlers, der Journalist Tilman Jens (54), in seinem in Kürze erscheinenden Buch „Demenz Abschied von meinem Vater“ (Gütersloher Verlagshaus) Belege dafür publizieren. Demnach soll Walter Jens weit früher über die Entdeckung seiner Mitgliedskarte in der Zentralkartei der NSDAP informiert gewesen sein, als er behauptet hatte. Walter Jens hatte sich 2003 von der Entdeckung überrascht gezeigt.

Jens hatte Ende 2003 zu der Frage einer NSDAP-Mitgliedschaft in einem Interview („Süddeutsche Zeitung“) gesagt: „So nachdrücklich ich immer betont habe, dass ich in der Hitlerjugend war, so nachdrücklich habe ich immer gesagt: Ich war nicht in der Partei. Es kann ein Irrtum sein.“ Er räumte damals ein, „dass ich lange Jahre angepasst gesprochen habe, wie zum Beispiel in meinem Abituraufsatz, den ich nicht mehr gerne lesen möchte“. Auch habe er Worte wie „entartete Literatur“ gebraucht.

„Focus“ schreibt, es sei ein Text von 1943 gefunden worden, der zeige, dass der damalige Hamburger Student mit der Ideologie der Nationalsozialisten zumindest eine kurze Zeit lang sympathisiert habe. Tilman Jens meint, sein Vater habe in dieser Angelegenheit eindeutig „geschwindelt“.

Seit Anfang 2004 ist Walter Jens schwer an Demenz erkrankt und zum Pflegefall geworden, was der Sohn als Folge der Enthüllung seiner NSDAP-Mitgliedschaft sieht. „Aus Scham floh mein Vater in die Verzweiflung, in die Depression, in die Demenz“, sagte Tilman Jens dem „Focus“

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