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Verrücktheit

Dr. Clocks Handbuch des Absurden belustigt

© Die Berliner Literaturkritik, 29.04.10

MÜNCHEN (BLK) – Im November 2009 hat der Manhattan Verlag das Buch „Dr. Clocks Handbuch des Absurden“ von Julian Rothenstein und Mel Gooding herausgegeben. Aus dem Englischen wurde es von Marcus Ingendaay übersetzt.

Klappentext: Kunststück! Das erste verbindliche Geschenkbuch des Absurden - Stop Making Sense! Dr. Clocks Handbuch des Absurden ist nicht nur ein Augenschmaus und eine Lesefreude. Es beweist, dass mehr Wahrheit in Unsinn und überbordender Phantasie steckt als in sämtlichen Ordnungsprinzipien unseres Alltags. Gebrauchsanweisungen, Landkarten, Pläne, Vorschriften: Was normalerweise für Ordnung in unserem Leben sorgt, ist hier ins Absurde verkehrt. Das Londoner U-Bahnsystem als buntes Fadenknäuel? Viel fröhlicher als das Original. Ein mehrseitiger Fragebogen zur Erforschung des eigenen Unbehagens? Unverzichtbar für den kleinen Neurotiker. Und wer hätte nicht schon lange wissen wollen, was beim Fußball auf der roten Karte steht? Hier erfährt man es endlich. In diesem Handbuch verbünden sich Cartoons, Texte, Kunstwerke, bizarre Objekte und Fotos von Glen Baxter, Lewis Carroll, Damien Hirst, den Marx Brothers und vielen anderen zu einem Fest des fabelhaften Nonsens. Durchgehend vierfarbig, aufwändig gestaltet, ein unwiderstehliches Buch-Kunstwerk.

Der englische Verleger und Designer Julian Rothenstein hat 1986 in London die Redstone Press gegründet, wo er unter anderem „Surrealist Games“ (1991), „The Playful Eye“ und „Psychogames“ (2008) veröffentlicht hat. Gemeinsam mit Mel Gooding gibt er seit 1989 den Redstone Kalender heraus, der weltweit vertrieben wird.

Mel Gooding ist ein Kritiker, Autor und Kurator. Neben regelmäßigen Veröffentlichungen von Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften rund um das Thema Kunst, hat Gooding unter anderem die Werke „Patrick Heron“ (1994), „Abstract Art“ (2001) und „Song of the Earth: European Artists and the Landscape“ (2003) veröffentlicht. (ros/kum)

Leseprobe:

©Manhattan©

Die herausfallenden Frauen

Eine alte Frau fiel vor lauter Neugier aus dem Fenster, schlug auf und brach sich das Genick. Aus dem Fenster lehnte sich eine zweite alte Frau und schaute zu der Genickbrüchigen hinunter, aber vor lauter Neugier fiel auch sie aus dem Fenster, schlug auf und brach sich das Genick. Dann fiel die dritte alte Frau aus dem Fenster, dann die vierte, dann die fünfte. Als die sechste alte Frau herausgefallen war, hatte ich keine Lust mehr, ihnen zuzusehen, und ging zum Malzewski-Markt, wo, wie man hörte, einem Blinden ein Wollschall geschenkt worden war.

Daniil Charms

1751

In diesem Jahr erschienen die ersten beiden Bände von Diderots Enzyklopädie. Zeitgleich wurde in London die erste Irrenanstalt aufgemacht. Damit begann die Epoche des Trennens und Sortieren. Auf der einen Seite die Gesunden, die sich mit Wörtern verschleiern. Auf der anderen Seite die Verrückten, die sich die Federn von der Haut reißen. Jeder Dichter musste von nun an einen Drahtseilakt beherrschen. Und um ganz sicherzugehen, publizierten umtriebige Volkserzieher ganze Regelwerke über normales Verhalten.

Miroslav Holub

ABSAGE

Sehr geehrte(r)..........

besten Dank für Ihre Absage auf meine Bewerbung bei Ihrem Unternehmen. Ich habe bereits von zahlreichen hochqualifizierten Firmen Absagen erhalten. Bei einem derart breitgefächerten Absagespektrum fällt es natürlich schwer, eine eindeutige Wahl zu treffen. Jedoch nach eingehender Würdigung insbesondere jener Schreiben, in denen meine Eignung für die ausgeschriebene Position mehr (!) als in Frage gestellt wurde, sehe ich mich bedauerlicherweise außerstande, Ihre Absage zu berücksichtigen. Trotz der unbestrittenen und teils durch persönliche Erfahrung ausgewiesenen Leistungen Ihres Unternehmens in Sachen Absage muss ich feststellen, dass die eingereichte Arbeit (Absage) nicht mehr den gegenwärtigen Anforderungen genügt. Daher werde ich ausschreibungsgemäß zum nächsten Ersten meine Tätigkeit in Ihrem Unternehmen aufnehmen. Da sich mein Absagebedarf kurzfristig ändern kann, erlaube ich mir, Ihre Absage zu den Akten zu nehmen und gegebenenfalls darauf zurückzukommen. Bitte betrachten Sie dieses Schreiben nicht als persönliche Wertung Ihrer Qualifikation als Absager. Ich wünsche Ihnen im Gegenteil alles Gute auf Ihrem künftigen Weg, Bewerber abzuschmettern und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

John Kador

©Manhattan©

Literaturangabe:

ROTHENSTEIN, JULIAN / GOODING, MELL : Dr. Clocks Handbuch des Absurden. Manhattan Verlag, München 2009. 168 S., 19,95 €.

Weblink:

Manhattan Verlag


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