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Vargas Llosa gibt Suhrkamp einen Korb

Llosa klagt: Terminstress statt Schriftstellerei

© Die Berliner Literaturkritik, 03.11.10

HAMBURG/MADRID/BERLIN (BLK) - Mario Vargas Llosa wechselt einen Monat nach seiner Auszeichnung mit dem Literaturnobelpreis mit seinem neuen Roman von Suhrkamp zum Rowohlt Verlag. Das Werk „El sueño del celta“ (Der Traum des Kelten) werde bei Rowohlt erscheinen, sagte eine Verlagssprecherin am Mittwoch (03.11.2010) in Reinbek bei Hamburg. Der genaue deutsche Titel stehe noch nicht fest - ebensowenig der Erscheinungstermin der deutschen Ausgabe. Vargas Llosa war seit Jahrzehnten bei Suhrkamp.

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Der 74-jährige Peruaner hatte den neuen Roman am Mittwoch in Madrid vorgestellt. „El sueño del celta“ kam in Spanien und den anderen spanischsprachigen Ländern mit einer Startauflage von einer halben Million Exemplaren in den Handel.

Der Suhrkamp-Verlag bedauerte die Entscheidung des Nobelpreisträgers. „Nur zu gerne hätten wir die Publikation der Werke bei uns, seinem deutschen Verlag, der seit 1976 ausnahmslos alle seine Bücher erfolgreich verlegt, auch nach dem Nobelpreis fortgesetzt“, hieß es in einer Mitteilung. Eine Sprecherin wies Spekulationen zurück, wonach Suhrkamp sich nicht um den Roman bemüht hätte.

Termine statt Schreiben

Llosa erklärte in Madrid, der Literaturnobelpreis lasse ihm kaum noch Zeit zum Schreiben. „Eine Vielzahl von Terminen hat meine normale Arbeitsroutine gesprengt.“ Er hoffe, dass der Terminstress nur vorübergehend sei und er seine literarische Arbeit bald wieder aufnehmen könne, betonte der 74-Jährige, der auch die spanische Staatsbürgerschaft besitzt. Die Literatur sei für ihn das größte Vergnügen. „Ich werde mit der Feder in der Hand sterben.“

Der neue Roman erscheint im Verlag Alfaguara und umfasst in der spanischen Originalfassung 454 Seiten. Das Buch handelt vom Leben des irischen Diplomaten Roger Casement (1864-1916), der Anfang des 20. Jahrhunderts die Gräueltaten im Kongo während der Kolonial-Herrschaft des belgischen Königs Leopold II. sowie später die Ausbeutung der Indios bei der Kautschuk-Gewinnung im Amazonasgebiet anprangerte. Der Roman respektiere die wichtigsten Lebensstationen Casements, aber er enthalte auch viele erfundene Geschehnisse, berichtete Vargas Llosa.

Feste Arbeitsroutine

Die Hauptfigur des Romans sei eine „visionäre und faszinierende Persönlichkeit, halb Held und halb normaler Mensch“, sagte der Autor. Er selbst beneide Literaten, die ein aufregendes Leben führten, aber sein Lebensstil sei ganz anders. Er habe seine feste Arbeitsroutine und verbringe viele Stunden in Bibliotheken.

Auf die Geschichte des Diplomaten war Vargas Llosa zufällig bei der Lektüre einer Biografie des Schriftstellers Joseph Conrad gestoßen. (mas)


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