MÜNCHEN (BLK) – Im Februar 2009 ist beim Carl Hanser Verlag der Gedichtband „Und immer bleibt das Andere“ von Uros Zupan erschienen.
Klappentext: Der Dichter, heißt es bei Uros Zupan, ist „ein blinder Passagier auf dem Schiff, das in die Kindheit fährt“. In starken, eingängigen Bildern entwirft der slowenische Poet seine mitteleuropäische Welt am Rande Europas. Die Intensität der Wahrnehmung, der vorsichtige und hartnäckige Versuch, die Dinge zum Sprechen zu bringen, der genaue Umgang mit Tradition und Gegenwart machen diese Gedichte zu einem poetischen Ereignis. Uros Zupan gehört - mit Tomas Salamun und Ales Steger - zu den großen Dichtern aus Slowenien, die die europäische Landkarte der Poesie verändert haben.
Uroš Zupan, geboren 1963, aufgewachsen in der slowenischen Industriestadt Trbovlje, lebt und arbeitet als Autor und Übersetzer aus dem Englischen und Serbokroatischen in Ljubljana. Er veröffentlichte bisher sechs Gedichtbände. Zupan erhielt diverse Preise in Slowenien und im Ausland, unter anderem den Hubert-Burda-Preis für junge Lyrik 1999. (rud/ber)
Leseprobe:
© Carl Hanser Verlag ©
Detail
In rotem Licht,
sitzend am Tisch,
allein, macht sich eine Unbekannte daran,
eine Zigarette anzuzünden.
Öffnet den Tabakbeutel,
nimmt mit geübter Geste
eine Zigarette heraus
und steckt sie in den Mund.
Mit der Linken streicht sie
das Haar aus dem Gesicht,
mit der Rechten nimmt sie
das Feuerzeug,
öffnet es mit dem Daumen
und dreht am Rädchen.
Aus dem Feuerzeug springt ihr die Flamme
in die Augen,
ins Haar,
mit der Zigarette nähert sie sich ihr langsam
und lüstern,
in einer zeitlosen Atempause
während ihres unmerklichen Alterns,
inhaliert sie
den ersten Zug.
Immer bleibt das Andere
Es ist gut, von Leben zu Leben zu wandern.
Die Luft wird stickig, das Gedränge unerträglich.
Die Alten meinen, mit ihnen höre alles auf,
die Jungen, alles beginne mit ihnen.
Du öffnest die Tür und gehst, hast keinem was getan.
Hast eine Spur hinterlassen, keine, einen Fingerabdruck,
keinen, vielleicht den Duft der vergangenen Jahre
(denn die Liebe verliert ihren Duft nicht), keinen,
auch gut. Man wird dich zitieren, von dir sprechen
mit Achtung und Angst, dich vorführen als Inbegriff
von Dummheit und schlechtem Geschmack, auch
gut. Jede Einbahnstraße ist irgendwo zu Ende.
Die Dinge sind schlecht, wenn sie dich nicht zu sich bringen,
wie diese Spätnachmittagsonne, wie die verlorene Wärme,
wie der aus der Luft gerissene Wind, der das Laub von beiden
Seiten verfärbt. Der Wörter wirst du überdrüssig und bringst
sie zu Ende. Die Stille, die sie trennt, ist auch irgendwo zu Ende.
Es bleiben zwei Achsen, die sich auf dem Glas küssen, und
die unbestimmte Vorstellung von den Boxes Joseph Cornells.
Lebenszeit, auf der Straße aufgelesen und der Phantasie
überlassen
zum Gebrauch. Es bleibt das Andere. Ein Paradies, das nicht
ausschließlich still ist. Eine Hölle, die nicht nur statisch ist und
gefährlich. Es bleibt das Andere. Schriftsteller sein ist äußerst
langweilig; man verwendet seine Hände immer nur zum Tippen.
© Carl Hanser Verlag ©
Literaturangabe:
ZUPAN, UROS: Und immer bleibt das Andere. Gedichte. Übersetzt von Fabjan Hafner. Carl Hanser Verlag, München 2008. 140 S., 14,90 €.
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