HAMBURG(BLK) – Das Buch „Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels“ von Stefan Moster ist im August 2009 im mare-Verlag erschienen.
Klappentext: Sie sind vor Monaten im Streit auseinandergegangen; nun ahnen sie nicht, dass sie sich auf demselben Kreuzfahrtschiff befinden: Almut, Ende vierzig, als Bordpsychologin, und ihr Sohn Sebastian, Anfang zwanzig, als Barpianist. Während sich Sebastian in eine Kollegin aus der Crew verliebt und in das Schicksal von vier blinden Passagieren verstrickt wird, bekommt Almut Einblicke in die Ehe-Abgründe der Mitreisenden und muss sich ihrer Vergangenheit stellen, die plötzlich allgegenwärtig ist: in Gestalt von Bernd Gaus, dem Personalmanager des Luxusliners, der sich täglich zur Musikstunde am Flügel in Almuts Beratungszimmer einfindet...
Stefan Moster, Jahrgang 1964, lehrte an den Universitäten in München und Helsinki. Heute lebt Moster mit seiner Familie in Espoo, Finnland, und arbeitet als Autor, Übersetzer, Lektor und Herausgeber. 1997 erhielt er das Münchner Literaturstipendium für Übersetzung. Moster übersetzte Werke von Hannu Raittila, Ilkka Remes, Kari Hotakainen, Markku Ropponen, Petri Tamminen und Daniel Katz aus dem Finnischen. Dafür erhielt er 2001 den Staatlichen finnischen Übersetzerpreis. „Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels“ ist Stefan Mosters erster Roman. (kum/ros)
Leseprobe:
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Almut Die Firma lebt. Sie lebt in ihren Mitarbeitern weiter. Seit fünfzehn Jahren außer Dienst, nicht mehr im Amt und sowieso noch nie in Würden, aber noch immer auf den Beinen und somit nicht aus der Welt. Sie tragen ihre echten Namen, ohne Gänsefüßchen, und die klingen harmlos wie eine heiter ausgesprochene Erinnerung mit ein bisschen Nostalgie.
Bernd Gaus, zum Beispiel.
Ein Mann in jenem Alter, das sich so schwer bestimmen lässt, Ende fünfzig, Anfang sechzig, vorteilhaft ergraut, relativ freundlich, jedenfalls dann, wenn er etwas von einem will. Gegenüber Vorgesetzten stets verbindlich, zu Untergebenen mitunter barsch, wenn die Wahrung der Ordnung es erfordert. Das Bewusstsein für Hierarchien hat er behalten, und darum ist er richtig hier, in diesem Betrieb mit über tausend Mitarbeitern, der für sich in Anspruch nimmt, ja sogar damit wirbt, dass alle Rädchen reibungslos ineinandergreifen, und zwar im Verborgenen, ohne dass man von außen das Getriebe sieht.
Gleich wird er anklopfen, wie neuerdings fast jeden Nachmittag. Was heißt neuerdings. Vor acht oder zehn Wochen fing er damit an, während der Überfahrt von Teneriffa nach Brasilien. Seitdem hat er die Stunde zwischen fünf und sechs für sich reserviert, nein, in Beschlag genommen, denn eine Absprache haben wir nie getroffen. Mich wundert, dass er die Zeit dafür aufbringt, offenbar besitzt er Privilegien. Um vier Uhr geht er laufen. Früher dachte ich, auf Schiff en gebe es keinen Auslauf, aber hier schlängelt sich eine fünfhundert Meter lange Laufbahn durch den Freizeit-Parcours an Deck. Dort ist immer jemand unterwegs, rennend oder gehend, manche eilen im Laufschritt mit Stöcken in der Hand.
Bernd Gaus würde sich nie auf diese Weise lächerlich machen. Er joggt, in Shorts und ärmellosem Hemd, zehn oder zwölf Runden, wenn es mehr sind, teilt er es mir nachher mit. Dann sitzt er am Flügel, lässt andächtig den Schlussakkord vom Kopfsatz einer Schubert-Sonate ausklingen, atmet tief durch und sagt: Zehn Kilometer bin ich heut gelaufen, ich hab das Blut voll Sauerstoff . Das merk ich jetzt, beim Spielen.
Und dann nimmt er den zweiten Satz in Angriff .
Mit Sicherheit genießt er Privilegien, darum genehmigt er sie sich auch hier, bei mir. Ich habe ihn gefragt, ob er manchmal allein in diesen Raum kommt, wenn ich nicht da bin, um zu spielen, aber das hat er verneint. Ohne Zuhörer klingt es nicht, erklärte er, und das hatte er keineswegs als Scherz gemeint.
Bernd Gaus. Als er sich vorstellte, Anfang April, in meinem alten Dienstzimmer in der Beratungsstelle, sah ich ihm unwillkürlich forschend ins Gesicht, um nach Ähnlichkeiten mit Günter Gaus zu suchen. Ich sagte dabei kein Wort, doch mein Gegenüber schien zu ahnen, was ich dachte. Ich bin weder Bruder noch Sohn, sagte er
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Literaturangabe:
MOSTER, STEFAN: Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels. mare Verlag, Hamburg 2009. 448 S., 22 €.
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