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„Sperm & Egg“ – eine Jugendliebe

Ryan Boudinots neuestes Buch über die Teenager Cedar und Kat

© Die Berliner Literaturkritik, 20.07.10
Ryan Boudinot © privat

Ryan Boudinot © privat

Von Susanna Gilbert-Sättele

Es ist keine alltägliche Liebesgeschichte, aber die Story, die Ryan Boudinot in seinem neuesten Buch „Sperm & Egg“ erzählt, könnte sich so und nicht anders zugetragen haben: Cedar und Kat, beide Teenager, besuchen in den USA die Schule. Sie heben sich aus der Masse der Gleichaltrigen nicht weiter heraus, bis Cedar bei der „Praktischen Mikroskopie“ im Biologieunterricht sein eigenes Sperma zwischen zwei Glasscheiben presst. Die Lehrerin erkennt sofort, dass es sich nicht um Babykaulquappen handelt, und so sind Cedar zwei Wochen Ausschluss aus der Schule sicher.

Für den jungen Mann hat sich jedoch sein ungewöhnlicher Einsatz gelohnt. Denn die bisher kaum zugängliche Kat hat sich tatsächlich über das Mikroskop gebeugt, ein paar Strähnen aus dem Gesicht gestrichen und seine Aktion mit einem kurzen „Cool!“ geadelt. Sie, die vor Cedar kurz zuvor mit ihrem Eisprung geprahlt hatte, war vom Mut ihres Mitschülers beeindruckt. Eine ungewöhnliche und stürmische Jugendliebe zwischen Cedar und Kat beginnt, an die sich die beiden zwanzig Jahre später sehr konträr erinnern.

In seinem tragikkomischen Roman versetzt sich der US-Autor einfühlsam in das Leben junger Menschen. Aus wechselnden Perspektiven schildert er, was in ihnen vorgeht, wenn sie erwachsen werden und ihre Sexualität entdecken. Er findet den direkten Jargon einer Generation, der er selbst entwachsen ist, von Jugendlichen, die zu Hause nicht aufgeklärt wurden und denen ihr Sexualtrieb zu schaffen macht. Und dennoch verstehen sie die erste Liebe zu genießen. Sie streiten sich und finden immer wieder zusammen, weil sie nur zusammen Glücksgefühle erleben und genug Stärke haben für den Eintritt in die Welt der Erwachsenen. Boudinot drückt sich um kein Thema, mag es für den Leser auch noch so „kindisch“ sein.

Cedar und Kat werden auf viele Proben gestellt, denn die Eltern sind zuerst einmal verblüfft, als sie erfahren, was Jugendliche in ihrer Pubertät so alles treiben. Richtig komisch wird die Story, wenn Cedar zum Psychiater geschickt wird. Der ist selbst ein Wrack, nachdem ihn seine dritte Frau für einen Schönheitschirurgen verlassen hat. Nun schickt sie dem geplagten Mann Oben-ohne-Polaroids vom Strandbesuch mit ihrem neuen Geliebten. „Du kannst dir also vorstellen, dass ich ein paar eigene Probleme zu lösen habe“, gesteht der Therapeut.

Als Cedars heiß geliebte Freundin Kat schwanger wird und beiden klar ist, dass er nicht der Vater sein kann, geht er dennoch mit zu den Beratungsgesprächen in die Klinik. Dort erwartet sie eine Überraschung: Ausgerechnet ihre Klassenlehrerin arbeitet ehrenamtlich in der Klinik. Nach der Abtreibung, die für Cedar ungefähr so lange dauert, wie er für die gründliche Lektüre einer Ausgabe von Newsweek braucht, bleiben die beiden befreundet, auch wenn ihre Eltern dies vehement zu verhindern suchen. Cedar treibt unterdessen ein Gedanke um: dass der neue Freund von Kats Mutter seine Freundin geschwängert haben könnte.

Wie es oft im Leben passiert, verliert sich das Liebespaar aus den Augen. Erst zwei Jahrzehnte später treffen sich die beiden wieder. Kat hat mit dem Schreiben begonnen, Cedar arbeitet im Bereich Medizintechnik. Das Treffen ist unabdingbar, weil Kat ihr Leben schriftstellerisch aufarbeitet, und der Lektor ihr angeraten hat, mit Cedar zu sprechen. Spannend ist das Buch bis zum Schluss, denn als sie sich wieder treffen, merken sie, dass jeder von ihnen andere Erinnerungen an das Ende ihrer Liebesgeschichte hat.

Literaturangabe:

BOUDINOT, RYAN: Sperm & Egg. Rowohlt Verlag, Reinbek 2010. 224 S., 12 €.

Weblink:

Rowohlt Verlag


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