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Sorge um Pulitzer-Preis in den USA

Erstmals könnte ein Klatschblatt zu der höchsten Ehre für US-Journalisten kommen

© Die Berliner Literaturkritik, 12.04.10

NEW YORK (BLK) - So groß war die Spannung vor der Bekanntgabe der neuen Pulitzer-Preise lange nicht mehr: An diesem Montag (12.4.) könnte ein Sensationsblatt zu der höchsten Ehre für US-Journalisten kommen. Der „National Enquirer“, populärstes amerikanisches Klatschblatt, hat sich mit Artikeln über eine Affäre des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten John Edwards für den renommierten Medienpreis beworben. Überraschend nahm das Pulitzer-Komitee an der Columbia Universität in New York die Bewerbung an, obwohl die Zeitung gegen das ungeschriebene Gesetz verstoßen hatte, für Informationen nicht zu bezahlen. Das schillernde Wochenblatt könnte nun in der Sparte investigativer Journalismus und in der Kategorie nationale Berichterstattung ausgezeichnet werden.

Edwards hatte sich 2008 um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten beworben. Der „National Enquirer“ deckte eine heimliche Affäre von Edwards auf und berichtete über das Kind, das aus der Verbindung hervorging. Nach anfänglichem Leugnen bekannte sich der frühere Senator und Ehemann der krebskranken Elizabeth Edwards später zu der Beziehung und im vergangenen Januar dann auch zu seiner unehelichen Tochter.

Angesehene Medien wie die „Washington Post“ und die „New York Times“ ignorierten die Kandidatur des Blattes um den Pulitzer-Preis weitgehend. Andere äußerten Sorge um den Ruf der Auszeichnung. Der Chefredakteur des „National Enquirer“, Barry Levine, hatte in einem Interview mit der Londoner „Times“ zugegeben, „Hunderttausende von Dollars (an Schmiergeld) für die Geschichte ausgegeben“ zu haben.

Der Preis wurde von dem aus Ungarn stammenden Journalisten und Verleger Joseph Pulitzer (1847-1911) gestiftet und erstmals 1917 verliehen. Pulitzer gilt als Schöpfer der modernen amerikanischen Tagespresse. Die Auszeichnung gibt es inzwischen in 21 Kategorien, darunter in mehreren literarischen Sparten. Das Preisgeld beträgt jeweils 10 000 Dollar (7400 Euro). Der Gewinner des Hauptpreises „Dienst an der Öffentlichkeit“ bekommt zudem eine Goldmedaille.

Mehrfach wurden auch künftige Nobelpreisgewinner gekürt, darunter Ernest Hemingway und Toni Morrison. (dpa/dan)

Weblink: Pulitzer-Preis


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