Die Klagenfurt-Jury von 2007 war so begeistert, dass nur Purzelbaumschlagen noch euphorischer gewesen wäre. Der Grund waren PeterLicht und sein Text „Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends“. Dabei war und ist PeterLicht eigentlich Deutschpop-Musiker mit mittlerweile drei Alben. Jüngst erschien das großartige „Lieder vom Ende des Kapitalismus“, über das die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb: „PeterLichts Platte vom Ende des Kapitalismus könnte für die Nullerjahre werden, was Fehlfarben für die verkorksten Achtziger und Blumfeld für die rastlosen Neunziger waren: Pamphlet, Manifest, Programm.“
Auf die Musik aber blieben Erfolg und Talent nicht beschränkt. Denn beim Lob blieb es im vergangenen Jahr nicht: PeterLicht bekam für „Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends“ den 3sat-Preis sowie den Publikumspreis. Jetzt ist die Geschichte beim Blumenbar Verlag in Buchform erschienen. Darin erzählt einer in erheiternder wie ernüchternder Selbstbeschreibung von seiner Situation ohne Geld: „Ich lag wie ein gestrandeter Erdteil auf dem Weltmeer meines Minusgeldes.“ Der Minusgeld-Erdteil sowie die folgende „absolute Finsternis“ und die die Gullideckel hoch drückenden Regenfälle stehen natürlich stellvertretend: „So ungefähr gestaltete sich das bei mir mit der Liebe“, sagt PeterLichts namenloser Protagonist. Am Ende der Geschichte kommt es – wie so oft in der Liebe – zur Apokalypse. Dann aber ist wieder alles in Ordnung. Für ein paar Stunden zumindest, bis es wieder knallt.
PeterLichts schriftstellerischer Erfolg ist so überraschend nicht. Denn seine Prosa markiert sprachlich genau die Ergänzung zu den Texten, die er für seine Musik schreibt: Die Prosa fügt sich passgenau zwischen die mal eindeutige und klare und dann wieder enigmatisch metaphorische Sprache der Musik-Texte ein. Was bei PeterLicht in seiner Musik durch Undeutlichkeit und Andeutungen an Zwischenräumen entsteht, das füllt er in seiner prämierten Geschichte aus. Sprachspiele und Selbstrelativierungen geben den Ton an. Von „genug Geld“ geht es über „mittel Geld“ hin zum erdteilgroßen Minusgeld. Dieses Verfahren exerziert PeterLicht in der ganzen Geschichte durch und produziert dadurch vor allem Lacher: Ob sie nun befreiend sind oder im Halse stecken bleiben. Aber, so Klagenfurt-Jurorin und „Zeit“-Feuilletonistin Iris Radisch, „man lacht trotzdem.“
Ijoma Mangold, Feuilletonist der „Süddeutschen Zeitung“ und Klagenfurt-Juror, gestand in seiner Laudatio zu nennenden Spontankritik nach PeterLichts Lesung, er kenne dessen Musik gar nicht. Hätte er sie gekannt, wäre ihm klar gewesen, dass da einer in seinen Musiktexten schon lange ganz große Literatur verfasst. Und jetzt auch endlich Prosa, noch dazu in Klagenfurt. Kinder, räumt die Stühle beiseite. Purzelbäume wollen geschlagen werden.
Literaturangaben:
PETERLICHT: Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends. Blumenbar Verlag, München 2008. 39 S., 14,90 €.
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