Werbung

Werbung

Werbung

Schweizer Schokolade und ein Universum von Büchern

Presseschau vom 13. Februar 2008

© Die Berliner Literaturkritik, 13.02.08

 

BERLIN (BLK) – Die „FAZ“ bespricht Alberto Manguels „Die Bibliothek bei Nacht“. Über das Buch „Schweizer Schokolade“ berichtet die „SZ“. Außerdem in der Presseschau: Russland im Jahr 2027, eine historische Reportage von Adam Hochschild und Verena Stefans Roman „Fremdschläfer“.

„Frankfurter Allgemeine Zeitung“

Mit „sympathischer Begeisterung“ schwärme Alberto Manguel in seinem neuen Werk „Die Bibliothek bei Nacht“ vom Universum der Bücher, schreibt Rezensent Friedmar Apel in der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“). Manguel stelle als „Lektürehistoriker“ zunächst seine eigene Bibliothek vor, um anschließend von „realen wie fiktiven Bibliotheken der Welt und der Weltliteratur“ zu erzählen, teilt Apel weiter mit.

Die „FAZ“ stellt den von Reinhard Rürup unter Mitwirkung von Michael Schüring verfassten Band „Schicksale und Karrieren“ vor. Der Band sei ein Gedenkbuch bestehend aus Biografien und Fotografien, das den Mitgliedern der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG) gewidmet ist, die während der Zeit des Nationalsozialismus ihre Stellung verloren und Deutschland verlassen mussten, so zum Beispiel Albert Einstein und Lise Meitner. Rürup habe einen Essay beigesteuert, der die „weitgehend reibungslose administrative Umsetzung der politischen Vorgaben durch die KWG“ nachzeichne.

„Neue Zürcher Zeitung“

Die bereits 1974 vorgelegte Dissertation „Geschichte der Natur. Untersuchungen zur Entwicklungsvorstellung bei Caspar David Friedrich“ von Peter Märker erscheine nun erstmal als Buch, informiert die „NZZ“. Zwar sei die Arbeit unverändert geblieben, es wurde jedoch ein Geleitwort von Wieland Schmied hinzugefügt. Der Rezensent Franz Zelger bemerkt, dass Märkers Arbeit der „Friedrich-Forschung entscheidende Impulse verliehen“ habe und in der zentralen Fragestellung, die die Bedeutung der Geschichte bei Friedrich behandle, „ein 1968er Produkt“ sei. Zudem begreife der mittlerweile in den Ruhestand getretene Autor die „Bildwelt des Künstlers“ als Prozess und schließe andere Deutungen nicht aus, was der Mehrdeutigkeit von Friedrichs Werk entspräche.

In Vladimir Sorokins neuem Roman „Der Tag des Opritschniks“ ginge es um den „ ‚Russländischen Staat’ des Jahres 2027“, das wieder Monarchie und durch eine Mauer von der restlichen Welt getrennt sei, berichtet die „NZZ“. In den Augen Vladimir Sorokins verwandle sich das heutige Putin-Russland in ein feudales Imperium zu Zeiten Iwans des Schrecklichen. So male er die Utopie eines Landes, das als einzigen Partner China habe, in die Technik vernarrt, aber ansonsten „auf dem Stand des 16. Jahrhunderts“ sei. Protagonist und Ich-Erzähler sei ein Opritschnik, der im Regierungsauftrag foltere und mordere. Zwar handelt es sich laut Rezensent Uwe Stolzmann um einen „faszinierenden Stoff“, der Stil bleibe jedoch schlicht und das streng chronologische Erzählmuster wirke ermüdend.

Eine „historische Reportage“ sei das jetzt auf Deutsch erschienene Buch „Sprengt die Ketten“ des amerikanischen Publizisten Adam Hochschild, schreibt die „Neue Zürcher Zeitung“ („NZZ“). In seinem Bericht über die Abschaffung der Sklaverei in England stellt Hochschild laut Rezensentin Caroline Schnyder weniger den Anspruch, „neue Erkenntnisse an den Tag zu bringen“, als vielmehr bekannte und weniger bekannte Gegner der Sklaverei zu Wort kommen zu lassen. Hochschild präsentiere eine „Fülle von Material“ aus einer „spannungsvollen, nach wie vor umstrittenen Zeit“.

„Süddeutsche Zeitung“

Die „SZ“ informiert über das aus einer Doktorarbeit hervorgegangene Buch „Schweizer Schokolade. Industrielle Produktion und kulturelle Konstruktion eines nationalen Symbols 1860-1920“ des jungen Historikers Roman Rossfeld. Dieser habe sich die Frage gestellt, weshalb gerade die Schweiz zum „Schokoladenland“ wurde und finde fundierte Antworten in seinem Buch. Im zweiten Teil der Arbeit widme sich Rossfeld der Schokolade als Element Schweizer Bewusstseinsbildung, weiß Rezensent Joseph Hanimann. Das Werk sei ein „höchst bekömmliches Lese- und Bilderbuch“.

Der Titel von Verena Stefans Roman „Fremdschläfer“ entspräche der Schweizer Bezeichnung für Asylanten, die nicht an dem ihnen zugewiesenen Schlafplätzen vorgefunden werden, informiert die „SZ“. Die Erzählerin immigriere von Bern nach Montreal, wo ihr Brustkrebs diagnostiziert werde. Der Roman sei allerdings kein „bloßer Krankenbericht“, behauptet Rezensent Ulrich Baron. Stattdessen handele es sich um eine „faszinierende Beschreibung einer Wanderung zwischen verschiedenen Welten“.

Der Sammelband „Formen des Krieges. Von der Antike bis zur Gegenwart“, der von Dietrich Beyrau, Michael Hochgeschwender und Dieter Langewiesche herausgegeben wurde, wird von der „SZ“ besprochen. Der Rezensent Thomas Speckmann behauptet, der Band mache deutlich, dass die häufig als neu bezeichneten Kriegsarten historische Vorläufer hätten. Nur sehr wenige gegenwärtige Formen des Krieges wie den thermonuklearen Vernichtungskrieg gebe es ausschließlich in der Neuzeit. Speckmann meint, der Sammelband biete einen „hervorragenden Überblick über die Geschichte des Krieges und seiner verschiedenen Typen“. (mar/tan/wip)

Literaturangaben:
BEYRAU, DIETRICH / HOCHGESCHWENDER, MICHAEL / LANGEWIESCHE, DIETER (Hrsg.): Formen des Krieges. Von der Antike bis zur Gegenwart. Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2007. 522 Seiten, 39,90 €.
HOCHSCHILD, ADAM: Sprengt die Ketten. Der entscheidende Kampf um die Abschaffung der Sklaverei. Aus dem Amerikanischen von Ute Spengler. Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2007. 504 S., 26,50 €.
MANGUEL, ALBERTO: Die Bibliothek bei Nacht. Aus dem Englischen übersetzt von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2007. 400 S., geb., 19,90 €.
MÄRKER, PETER: Caspar David Friedrich. Geschichte als Natur. Mit einem Geleitwort von Wieland Schmidt. Kehrer Verlag, Heidelberg 2007. 184 S., 47 Abbildungen, 36 €.
ROSSFELD, ROMAN: Schweizer Schokolade. Industrielle Produktion und kulturelle Konstruktion eines nationalen Symbols 1860-1920. Verlag Hier + Jetzt, Baden 2007. 537 S., 52,80 €.
RÜRUP, REINHARD: Schicksale und Karrieren. Gedenkbuch für die von den Nationalsozialisten aus der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft vertriebenen Forscherinnen und Forscher. Unter Mitwirkung von Michael Schüring. Wallstein Verlag, Göttingen 2008. 539 S., 97 Abb., br., 34 €.
SOROKIN, VLADIMIR: Der Tag des Opritschniks. Roman. Aus dem Russischen von Andreas Tretner. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008. 221 S., 18,95 €.
STEFAN, VERENA: Fremdschläfer. Roman. Ammann Verlag, Zürich 2007. 222 S., 19,90 €.

Presseschau vom 12. Februar 2008

Andere Stimme

Leseprobe

Rezension

Verlage


Bookmark and Share

BLK mit Google durchsuchen: