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Schiller Nationalmuseum geht neue Wege

Sonderaspekte werden von Museumsbesuchern immer häufiger gewünscht

© Die Berliner Literaturkritik, 18.02.10

Von Katrin Pribyl


MARBACH (BLK) - 100 Tage nach der Wiedereröffnung des Schiller Nationalmuseums im baden-württembergischen Marbach stößt vor allem die Verbindung moderner Alltagsthemen mit klassischer Literatur auf großes Interesse. „Die Besucher bringen ihre alltäglichen Themen wie Fitness und Wellness mit ein“, sagte Heike Gfrereis, Leiterin des Schiller-Nationalmuseums und des Literaturmuseums der Moderne, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Am 10. November 2009 hatte Bundespräsident Horst Köhler das Museum in Schillers Geburtsstadt Marbach wiedereröffnet.

Gfrereis fügte hinzu: „Besucher werden durch das Museum inspiriert, es bringt sie auf Ideen.“ Wie halten sich die Autoren fit? Was steckt in der Literatur, das einen selbst fit hält? „Literatur richtet etwas mit unserem Körper an, Sprache macht etwas
mit dem Körper“, sagte die Literaturwissenschaftlerin, die selbst Gruppen durch das Museum führt. Dabei werden Sonderaspekte immer häufiger gewünscht. Zwar lockten solche Schwerpunkte nicht unbedingt mehr Menschen an, aber Besucher kämen mit der Lust auf ein spezielles Thema wieder. Bei Schiller (1759-1805) beispielsweise gebe es viele Anekdoten über Fasten, Diäten, Wellness und Fitness. Ebenfalls ein beliebtes Thema für Sonderführungen ist der Dichter und der Wein.
„Der Poetik der Reinigung steht die Poetik des Rausches gegenüber.“

100 Tage nach der Wiedereröffnung des Schiller Nationalmuseums ist die erste Bilanz laut Gfrereis sehr gut. Bis vergangenen Dienstag hatten mehr als 20.000 Menschen das Museum besucht. „Das ist für Marbach in den Wintermonaten sehr viel.“ Früher waren es 40.000 Besucher im ganzen Jahr - und „dann hatten wir eine sehr gute Saison“. Im Januar 2010 wurden mehr als 5000 Menschen gezählt. „Für
mich erstaunlich, dass die Leute trotz des Schnees den Weg auf sich genommen haben“, sagte Gfrereis. Aber daran sehe man auch, dass das Museum vermisst wurde, es habe ein Bedürfnis danach gegeben.

Zwei Jahre lang war das schlossartige Gebäude saniert worden, in dem jetzt eine komplett neu gestaltete Ausstellung an Schillers Leben und Werk erinnert. Auch die deutsche Literatur und Geistesgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts wird näher beleuchtet. Neben dem Schiller Nationalmuseum stehen das Literaturmuseum der Moderne und das Deutsche Literaturarchiv.

Dieses Jahr ist für Mai eine Wechselausstellung zum Thema „Deutscher Geist. Ein amerikanischer Traum“ geplant. Im November wird sich eine Wechselausstellung dem Autor Ernst Jünger widmen.

Weblink:

Schiller Nationalmuseum und Deutsches Literaturarchiv

 

 


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