Werbung

Werbung

poster online Die besten Poster hier finden

Werbung

Praktiken des Gehirnwäschekults

„Scientology“ von Frank Nordhausen und Liane von Billerbeck

© Die Berliner Literaturkritik, 22.09.08

 

BERLIN (BLK) – Das Sachbuch „Scientology –. Wie der Sektenkonzern die Welt erobern will“ von Frank Nordhausen und Liane von Billerbeck ist im September 2008 im Ch. Links Verlag erschienen.

Klappentext: Scientology hat alle Zurückhaltung aufgegeben. Nach Jahren scheinbarer Ruhe agiert die totalitäre Psychosekte wieder offen und aggressiv. Mit raffinierten Tricks werben ihre „Körperfänger“ um Mitglieder, in Berlin operiert eine neue Deutschlandzentrale. Ihr strahlender Werbeträger Tom Cruise ruft in bizarren Videos dazu auf, „die Erde zu säubern“. Zugleich bekommt er den „Bambi für Courage“ verliehen. Die Journalisten Frank Nordhausen und Liane von Billerbeck recherchieren seit fast 20 Jahren über die geheimnisvolle Organisation – ein Milliarden-Dollar-Konzern mit eigenem Geheimdienst, Umerziehungslagern und mafiaartigen Methoden. Nach ihren Erfolgstiteln „Der Sekten-Konzern“ und „Psycho-Sekten“ schildern die Autoren nun Pläne und Praktiken des Gehirnwäschekults zur Eroberung politischer Macht – weltweit. Frank Nordhausen erhielt für seine jahrelange Berichterstattung über Scientology 2007 den Medienpreis „Der lange Atem“. Das Buch ist eine kritische Gesamtdarstellung des Machtsystems Scientology mit journalistischen Mitteln: Wie entstand diese weltumspannende Organisation, was will sie, wer zieht die Fäden, und warum führt sie einen „Krieg gegen Europa“?

Frank Nordhausen wurde 1956 geboren, studierte Geschichte, Germanistik und Philosophie in Berlin. Er arbeitete bis 1996 als freier Journalist und Autor für „Spiegel“, „Stern“ und „Zeit“ und ist seit 1996 Reporter der „Berliner Zeitung“. Seit 1999 mehrfache Aufenthalte in Krisengebieten, u. a. 2003 im Irak.

Liane von Billerbeck wurde 1957 geboren, studierte Journalistik in Leipzig und war bis 1991 Kulturredakteurin bei „NBI/extra-Magazin“. Seitdem arbeitet sie als freie Journalistin, Gerichtsreporterin, Hörfunk- und Fernsehmoderatorin (ORB-Politmagazin „Klartext“), und Kommentatorin für die ARD („Tagesthemen“). Seit Oktober 2001 ist Liane von Billerbeck bei der „Zeit“, zuerst als Redakteurin im Politikressort, jetzt als Autorin im Berliner Ressort. (bah/dan)

 

Leseprobe:

© Ch. Links Verlag ©

Vorwort

Im Januar 2007 eröffnete Scientology seine neue Deutschlandzentrale in Berlin mit großem Rummel. Wenig später drehte der Scientology-„Botschafter“ und Hollywoodstar Tom Cruise in Berlin seinen Film über den Hitlerattentäter Graf Stauffenberg und bekam einen „Bambi“ für Mut verliehen. Seither wird in Deutschland wieder über den Psychokonzern diskutiert. Zu Recht. Denn Scientology ist eine Art „Supersekte“, eine gefährliche antidemokratische Organisation, die Menschen terrorisiert, die nach wirtschaftlichem Einfluss und politischer Macht strebt – gerade auch in Deutschland. Scientology bildet eine totalitäre Insel im demokratischen Staat. Deshalb wird sie auch rechtmäßig vom Verfassungsschutz beobachtet, wie das Oberverwaltungsgericht Münster in seinem Urteil im Februar 2008 feststellte.

Doch während in Deutschland Dutzende Aussteigerberichte und wissenschaftliche Studien zu Scientology publiziert wurden und das Wissen über den Psychokonzern bei der „Arbeitsgruppe Scientology“ des Hamburger Senats, bei Geheimdiensten, Sektenexperten und Wissenschaftlern ständig wuchs, ging die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit stark zurück. Viele Menschen haben heute keine oder höchstens vage Vorstellungen davon, was Scientology ist und worum es dabei geht. Das ist zum Teil eine Folge schlechterer staatlicher Aufklärung, aber auch von Ereignissen wie den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington, die alles andere in den Hintergrund drängten. Es ist nicht zuletzt auch das Ergebnis geschickter Propaganda und Desinformation der Scientology-Organisation.

Vor 15 Jahren erschien unser investigativer Report „Der Sektenkonzern“, indem wir vor allem schilderten, wie die mächtige Psychoholding die deutsche Wirtschaft zu infiltrieren versucht. Im Nachfolgeband „Psycho-Sekten“ von 1997 haben wir die Entwicklung weiterverfolgt und erstmals auch die politische Agenda der Organisation dargestellt. Es war die Zeit, als Scientology gerade ein Thema der großen Politik in Deutschland wurde, weil die US-amerikanische Regierung den kritischen Umgang mit der Sekte hierzulande mehrfach scharf rügte. Als Folge der lebhaften Debatte richtete der Deutsche Bundestag eine Enquetekommission zu „Sekten und sogenannten Psychogruppen“ ein, die ihre Ergebnisse 1998 vorlegte. Zehn Jahre später müssen wir feststellen, dass fast keine Empfehlung der Enquetekommission politisch umgesetzt worden ist. Einen effektiven Verbraucherschutz auf dem Psychomarkt gibt es bis heute nicht.

Deshalb haben wir gemeinsam mit dem Verleger Christoph Links überlegt, die früheren Bücher zu überarbeiten und als Neuauflage herauszubringen. Aber es stellte sich schnell heraus, dass es mit einer Bearbeitung nicht getan war. Das hat vor allem mit der neuen Informationslage zu tun. Als wir 1993 den „Sekten-Konzern“ verfassten, waren nur wenige verlässliche Quellen verfügbar. Interne Originalbefehle oder Strategiepapiere kursierten unter Kritikern lediglich in geringer Zahl und waren ebenso schwer zu beschaffen wie gerichtsfeste Aussagen von Aussteigern. Noch hatte fast kein ehemaliger Top-Scientologe den Mut, sich öffentlich zu äußern. Und jeder, der über Scientology schrieb, musste damit rechnen, gnadenlos verleumdet und verklagt zu werden. Das betraf auch uns. Im Verlag erschienen Agitationsteams der Sekte, wir wurden beschattet und ausgeforscht, es gab Diffamierungen und anonyme Morddrohungen, und – nachdem der Sekten-Konzern erschienen war – folgten fünf Gerichtsklagen, die wir zwar bis auf eine gewannen, die aber sowohl Verlag wie Autoren erheblich Zeit und Kraft kosteten.

Inzwischen hat sich vieles grundlegend geändert. Gab es zu Beginn der 1990er Jahre zu wenige handfeste Erkenntnisse über Scientology, so trifft heute das Gegenteil zu. Die Explosion der Informationen hat vor allem mit dem Internet zu tun. Auf Dutzenden Homepages von Scientology-Kritikern und -Aussteigern sind seit Mitte der 90er Jahre unzählbar viele Dokumente über den Psychomulti, seine Führungsoffiziere, seine Methoden, seine Geschichte, seine geheimen Operationen und Strategien publiziert worden. Uns wurde schnell bewusst, dass ein völlig anderes Konzept nötig war, um all die neuen Erkenntnisse einarbeiten zu können.

Für dieses Buch sind Dutzende von Gesprächen mit Scientologen, ehemaligenScientologen, Scientology-Kritikern und Zeitzeugen geführt worden, es wurden zahlreiche Film- und Tonaufnahmen gesichtet, Tausende Scientology-Dokumente, Gerichtsurteile, parlamentarische Untersuchungsberichte, wissenschaftliche und biographische Literatur sowie eidesstattliche Versicherungen ehemaliger Scientologen gelesen und berücksichtigt. (Die Vielzahl der Quellenbelege im Anhang macht das deutlich.) Das Buch ist auch die Summe einer fast 20-jährigen Beschäftigung mit dem Thema, weshalb einige Vorarbeiten aus den früheren Büchern integriert wurden. Es ist der Versuch einer Gesamtdarstellung des Machtsystems Scientology mit journalistischen Mitteln: Wie entstand diese weltumspannende Organisation, was will sie, wie funktioniert sie, und wer zieht die Fäden?

Scientology behauptet, eine Welt „ohne Geisteskrankheiten, Kriminalität und Krieg“ schaffen zu wollen, denn die Sekte will „den Planeten klären“. In den internen Strategiepapieren steht, was das bedeuten soll – nicht mehr und nicht weniger als die Eroberung der Welt und die Herrschaft der scientologischen Auditoren über jedes einzelne Land der Erde. Der Scientology-Gründer L. Ron Hubbard träumte davon, sich eine Welt „williger Sklaven“ zu schaffen. Gewiss ist der Sektenkonzern weit entfernt von diesem Ziel, aber das sollte niemanden verleiten, ihn zu unterschätzen. Denn die Verbindungen des Milliarden-Dollar-Unternehmens reichen heute bis ins Weiße Haus in Washington und in den Europarat nach Straßburg, Scientology führt einen „Krieg gegen Europa“ und will Deutschland beherrschen. Wie die Organisation dabei vorgeht und was sie strategisch plant, um Machtpositionen zu erlangen, das haben wir versucht, im vorliegenden Band zu dokumentieren.

Ein Rechtsratgeber von Prof. Ralf Bernd Abel gibt abschließend hilfreiche Tipps, wie man sich gegen die Organisation wehren kann.

© Ch. Links Verlag ©

Literaturangaben:
NORDHAUSEN, FRANK / VON BILLERBECK, LIANE: Scientology. Wie der Sektenkonzern die Welt erobern will. Ch. Links Verlag, Berlin 2008. 616 S., 19,90 €.

Verlag

Leserbrief


Bookmark and Share

BLK mit Google durchsuchen: