HAMBURG (BLK) - Unser Bild von den US-Präsidentschaftsbewerbern wird von den elektronischen Medien geprägt. Wer mehr über Barack Obamas Werdegang und Ziele wissen will, der muss lesen oder hören - am besten mit den Original-„Quellen“ wie zum Beispiel Obamas Autobiografie „Ein amerikanischer Traum - Die Geschichte meiner Familie“. Der Schauspieler Leon Boden, Synchronsprecher von Hollywoodstars wie Will Smith und Denzel Washington, liest eine gekürzte Fassung von Obamas Buch. Boden hat einen sehr sachlichen Ton gewählt, der dem Text gut tut und in keinem Satz irgendeinem Wahlkampf-Pathos erliegt. Der Obama unterlegenen Demokratin Hillary Rodham Clinton leiht in „Gelebte Geschichte“ die Schauspielerin Leslie Malton ihre Stimme. Auch sie tritt stimmlich sozusagen hinter die Aufzeichnungen der Frau von Ex-Präsident Bill Clinton zurück und schafft so eine angemessene Neutralität. Beide vorgelesenen Autobiografien zeigen, wie Persönliches und Privates die Wertvorstellungen und Ziele der beiden Politiker bedingen. (Hörbuch Hamburg, „Ein amerikanischer Traum“ von Obama: 434 Min., € 24,99, ISBN 978-3-89903-609-1; „Gelebte Geschichte“ von Clinton: 449 Min., € 24,99, ISBN 978-3-89903-632-9)
Nachbarschaftskunde: Steffen Möller ruft „Viva Polonia“
BERLIN (BLK) - Von den berühmten „Weichsel-Aphroditen“ bis zum berüchtigten Radio Maryja, von den besten Polen-Witzen bis zu den absoluten Tabus in der Gesellschaft unseres Nachbarlandes - Steffen Möller erklärt uns in seinem höchst vergnüglichen Hörbuch „Viva Polonia“, wie die Polen ticken. Eher als Gag und aus Langeweile hatte der gebürtige Wuppertaler als Student einen zweiwöchigen Polnisch-Sprachkurs in Krakau besucht, und sich dann prompt in das Land mit der extrem schwierigen Sprache verliebt. Seit 13 Jahren lebt und arbeitet Möller nun schon in Polen. Er hat die polnische Version von „Wetten, dass...?“ moderiert und spielt in der beliebtesten Fernsehserie des Landes „M jak Milosc“ (L wie Liebe) mit. Für seine Verdienste um das deutsch-polnische Verhältnis erhielt Möller 2005 das Bundesverdienstkreuz. Die Hörbuch-Version seines Buches lebt von Möllers professioneller Vortragskunst. Mit sicherem Gespür für Tempo und Pointen macht er aus der Lesung eine echt rasante Kennenlern-Tour durch unser Nachbarland - inklusive kleinem Sprachkurs. Wer Möller von den leidenschaftlichen, anarchischen und gastfreundlichen Polen erzählen hört, bekommt sofort Lust, den Koffer zu packen. (Argon Verlag, Berlin, 293 Min., € 19,95, ISBN 978-3-86610-558-4)
Hochspannung mit Michele Giuttaris Thriller „Rachefeuer“
BERGISCH GLADBACH (BLK) – Schauplatz Florenz. Der Fall „Rachefeuer“ beginnt mit einem Mordanschlag auf Kommissar Michele Ferrara. Das Roman-Alter-Ego des sizilianischen Autors Michele Giuttari überlebt schwer verletzt. Doch wenig später wird die Erste Staatsanwältin, mit der der Kommissar eng zusammenarbeitete, Opfer eines weiteren Attentats und stirbt. Simon Jäger, die deutsche Stimme von Hollywoodstar Matt Damon, zieht den Hörer mit seiner rasanten und dabei doch stets perfekt akzentuierten Sprechweise sofort mit hinein in den wilden Strudel der sich überschlagenden Ereignisse. Jeder Figur gibt Simon einen stimmlich differenzierten Klang. Ein zweiter Handlungsfaden entspinnt sich in Sizilien, wo Mafiabosse zu Dringlichkeitssitzungen zusammen kommen. Es geht um Abweichler von der traditionellen Mafia-Linie, vor allem um den im Verborgenen agierenden Mann, der die Verbindung zur Politik, zu höchsten staatlichen Stellen, sichert. Wer wird siegen: Der Staat oder die Mafia? Autor Guittari ist studierter Jurist mit Polizeikarriere, der sich besonders bei der Mafia-Bekämpfung einen Namen gemacht hat. 1995 wurde er Chefkommissar des Morddezernats von Florenz. Inzwischen schreibt er als echter Insider atemberaubende Kriminalromane um den florentinischen Kommissar Michele Ferrara. (Lübbe Audio, Bergisch Gladbach, 380 Min., € 19,95, ISBN 978-3-7857-3514-5)
Überbordendes Ein-Mann-Hörspiel – Catherine Jinks Fantasy-Geschichte „Teuflisches Genie“
BERLIN (BLK) - Ein an stimmlicher Vielfalt überbordendes Ein-Mann- Hörspiel macht Stefan Kaminski vom Deutschen Theater Berlin aus der Fantasy-Geschichte „Teuflisches Genie“. Für jede der abstrus liebenswürdigen bis erschreckend gemeinen Figuren aus dem Roman der Australierin Catherine Jinks erschafft er einen ganz eigenen Kosmos. Held der Story ist Cadel, der sich schon als Siebenjähriger in Computernetzwerke hackt und so wenig später ganze Städte lahmlegen kann. Seine viel beschäftigten Adoptiveltern wissen nicht, wohin mit dem seltsamen Wunderknaben. Da kommt das Angebot des Chefs des Axis- Instituts ganz recht, den Jungen in die Elite-Schule aufzunehmen. Dort werden allerdings eher die schwarzen Künste gelehrt - Spionage, Sabotage, Guerilla-Taktik und Giftmord stehen auf dem Lehrplan der dubiosen Anstalt. Kaminski stürzt sich mit Verve in das Getümmel dieser wilden, witzigen Geschichte mit ihren absonderlichen Gestalten - er seufzt und röchelt, stöhnt und kichert, fiept und ächzt, grunzt und näselt, flüstert und kreischt wie es schöner nicht sein könnte. (Argon Verlag, Berlin, 459 Min., € 19,95, ISBN 978-3-86610-546-1)
Weisheit der Wüste – „Die Feuerprobe“ von Salim Alafenisch
HAMBURG (BLK) - Autor Salim Alafenisch lebt nicht zwischen zwei, sondern in zwei Kulturen, wie er sagt. Als Beduinensohn verbrachte er seine Kindheit in der Negev-Wüste in Israel, sein Abitur machte er in Nazareth, und nach einem Studium in London und Heidelberg lebt er nun bereits seit 1973 in der süddeutschen Stadt. In „Die Feuerprobe“ erzählt er eine auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte aus den 60er Jahren, kurz vor dem Sechstagekrieg. Ein Mann der Nachbarsippe wird ermordet. Diese beschuldigt die andere Sippe, den oder die Mörder zu kennen und zu decken. Dafür gibt es zwar keine Anhaltspunkte, doch die Angehörigen des Ermordeten geben keine Ruhe. Der israelische Militärgouverneur schaltet sich ein. Schauspieler und Hörbuchsprecher Dieter Wien gelingt es, die Charaktere der Figuren einfühlsam und unverwechselbar mit Leben zu erfüllen. Das entbehrungsreiche Leben, die Mentalität und die weisheitsvollen Regeln der Wüstenbewohner eröffnen dem westlichen Hörer eine ganz neue, bedenkenswerte Weltanschauung. (GoyaLit bei Jumbo Neue Medien, Hamburg, 158 Min., € 16,95, ISBN 978-3-8337-2110-6)
„Verräter von Bethlehem“: 1. Fall für palästinensischen Ermittler
MÜNCHEN (BLK) - Omar Jussuf ist ein streitbarer, aufrechter Mann. Als Geschichtslehrer unterrichtet er in Bethlehem muslimische und christliche Kinder. Jussufs Leben nimmt eine jähe Wendung, als sein früherer Schüler George Saba verhaftet wird. Saba ist Christ und damit Angehöriger einer stark schwindenden Minderheit in Bethlehem. Ihm wird angelastet, in Kollaboration mit den Israelis die Tötung eines ortsansässigen palästinensischen Märtyrer-Briganden verantwortet zu haben. Lehrer Jussuf glaubt an die Unschuld seines Schülers und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Mit „Der Verräter von Bethlehem“ schrieb der britische Autor Matt Beynon Rees den ersten Kriminalfall für einen palästinensischen Ermittler. Rees, bis vor kurzem Jerusalemer Bürochef der „Time“, beschreibt präzise den palästinensischen Alltag, in dem sich verschiedene Machtgruppen bekämpfen, Clandenken und eine weitgehende Ohnmacht der Polizei herrscht. Schließlich gerät der sonst bei seinen Landsleuten angesehene Jussuf selbst ins Visier der Todbringer. In der Hörfassung erzählt Schauspieler Stephan Benson die brisante und aufwühlende Geschichte mit großem Einfühlungs- und Ausdrucksvermögen. (Verlag C.H. Beck, München, 293 Min., € 19,95, ISBN 978-3-406-57226-5) (dpa/dan)
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