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„Living Dolls“ und weitere Neuerscheinungen

Frauen als Opfer eines neuen Sexismus und andere Themen

© Die Berliner Literaturkritik, 05.05.11

„Living Dolls“: Frauen als Opfer eines neuen Sexismus 

Natasha Walter: Living Dolls. Warum junge Frauen heute lieber schön als schlau sein wollen, Krüger Verlag, Frankfurt 2011, 330 S., 19,95 €., ISBN 978-3-8105-2377-8

Frankfurt/Main (dpa) - Die Frage, warum viele junge Frauen heute offenbar lieber schön als schlau sein wollen, treibt die britische feministische Journalistin Natasha Walter um. Nach Gesprächen mit Mädchen, Managerinnen und Prostituierten, aber auch mit Redakteuren von Männermagazinen kommt Walter in ihrer Analyse „Living Dolls“ zu bedenklichen Ergebnissen: Die in hohem Maße sexualisierte Kultur von heute werde fälschlicherweise als Emanzipation der Frau gefeiert, meint die Autorin. In Wirklichkeit aber würden junge Frauen, die sich bestätigt fühlen, wenn sie in öffentlichen Casting-Shows gedemütigt werden, Opfer eines „neuen Sexismus“. Wenn sich eine 18-Jährige statt einer Weltreise lieber eine Brustvergrößerung wünscht, wenn es fast nur noch rosa Spielzeug für kleine Mädchen gibt und Frauen durch den regelmäßigen Pornokonsum ihrer Männer unter Druck geraten, dann, so meint Walter, „scheint etwas falsch gelaufen zu sein“.

Weblink: Fischer Verlag

 

„Das Prinzip Empathie“: Gier ist „out“ 

Frans de Waal: Das Prinzip Empathie. Was wir von der Natur für eine bessere Gesellschaft lernen können, Hanser Verlag, München, 351., 24,90 €., ISBN 978-3-4462-3657-8

München (dpa) - Einfühlungsvermögen und Hilfsbereitschaft sind nach den Erkenntnissen des Verhaltensbiologen Frans de Waal keine Fähigkeiten, die sich die Menschen antrainieren müssen, sondern sie gehören zu ihrer Grundausstattung. In seinem Buch „Das Prinzip Empathie“ hat der in den USA lehrende Niederländer zusammengefasst, „was wir von der Natur für eine bessere Gesellschaft lernen können“. Seine Beobachtungen an Menschen und Tieren zeigen Verhaltensmuster, die sich weniger am kurzfristigen Gewinn und mehr an der langfristigen Erhaltung der Art orientieren. „Gier ist out, Empathie ist in“, schreibt de Waal auch mit Blick auf die Folgen der Finanzkrise. Denn Stärke allein helfe im Leben nicht weiter.

Weblink: Hanser Verlag

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„Tschernobyl Baby“: Reportage über Leben im Sperrgebiet 

Merle Hilbk: Tschernobyl Baby. Wie wir lernten, das Atom zu lieben, Eichborn Verlag, Frankfurt, 276 S. m. Abb., 17,95 €., ISBN 978-3-8218-6534-8

Frankfurt/Main (dpa) - Am 26. April jährt sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum 25. Mal. Bewaffnet mit Aufnahmegerät und Geigerzähler und begleitet von der jungen Weißrussin Mascha hat die Journalistin Merle Hilbk das betroffene Gebiet mehrfach bereist und ihre Erlebnisse und Recherchen in der fesselnden Reportage „Tschernobyl Baby“ zusammengefasst. In einer Mischung aus Roadmovie und Dokumentation beschreibt die Osteuropa-Expertin das Leben in und im Umkreis der Sperrzone, die heute im Grenzgebiet zweier Staaten - der westlich orientierten Ukraine und Belarus, ehemals Weißrussland - liegt. Sie porträtiert Menschen am Rande der Katastrophe und solche, die durch den Tschernobyl-GAU politisch aktiv wurden - unter ihnen die Grünen-Politikerin Renate Künast und der Großgrundbesitzer Andreas von Bernstorff.

Weblink: Eichborn Verlag http://www.eichborn.de

 

Conrads Biografie „Die vielen Leben der Paula Fox“

Bernadette Conrad: Die vielen Leben der Paula Fox, Beck Verlag, München, 344 S. m. Abb., ISBN 978-3-4066-1259-6

München (dpa) - Rettung sei immer unterwegs, sagte Paula Fox einmal. Die Schriftstellerin („Der Gott der Alpträume“) war lange in Vergessenheit geraten und erst spät von Jonathan Franzen wiederentdeckt worden. Heute gilt die Amerikanerin als eine Klassikerin der Moderne. Ihr bewegtes Schicksal hat die in Konstanz lebende Journalistin und Literaturwissenschaftlerin Bernadette Conrad in der Biografie „Die vielen Leben der Paula Fox“ nachgezeichnet. Darin beschreibt sie, wie die 1923 geborene Tochter eines Vaters irischer Abstammung und einer kubanischen Mutter bereits als Baby weggegeben und in den darauffolgenden zwanzig Jahren zu wechselnden Orten und verschiedenen Ersatzeltern weiter gereicht wurde. Das Trauma ihrer Kindheit bestimmte ihr schriftstellerisches Werk, das nicht nur von ihrer persönlichen Geschichte Zeugnis ablegt, sondern auch vom Leben in Amerika im 20. Jahrhundert.

Weblink: Beck Verlag


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