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Preisträger der vergangenen Wochen

Geehrt wurden Debütanten ebenso wie gestandene Persönlichkeiten des Literaturbetriebs

© Die Berliner Literaturkritik, 09.02.10

BERLIN (BLK) - Der deutsch-bulgarische Schriftsteller Ilija Trojanow ist mit dem Würth-Preis für Europäische Literatur ausgezeichnet worden. Das Geld nutze er für ein Romanprojekt in seiner Heimat Bulgarien, für das er noch viel recherchieren müsse. Für seinen Debütroman „Herr Blanc“ erhält der Schweizer Schriftsteller Roman Graf den mit 10.000 Euro dotierten Mara-Cassens-Preis des Literaturhauses Hamburg. Die Hamburger Stifterin Mara Cassens möchte mit ihrem Preis Autorinnen und Autoren ermöglichen, „sich für eine gewisse Zeit ganz dem Schreiben zu widmen“. Der Schriftsteller Albert Ostermaier erhält den Bertolt-Brecht-Preis der Stadt Augsburg. Nach Angaben der Stadt ist Ostermaier als bedeutender Gegenwartsautor mit Bezug zu Brecht der Auszeichnung besonders würdig.

Weitere Preisträger der vergangenen Wochen sind Terézia Mora (Adelbert-von-Chamisso-Preis), Hape Kerkeling (Medienpreis für Sprachkultur 2010) und Oliver Kluck (Kleist-Förderpreises).

Der deutsch-bulgarische Schriftsteller Ilija Trojanow ist mit dem Würth-Preis für Europäische Literatur ausgezeichnet worden. Der 44-jährige Autor erhielt den mit 25.000 Euro dotierten Preis im Stuttgarter Schloss. Trojanow wurde als „poetischer Chronist der großen Exil- und Migrationsphänomene der Moderne“ geehrt. Das Geld nutze er für ein Romanprojekt in seiner Heimat Bulgarien, für das er noch viel recherchieren müsse. Kritiker loben sein „großes erzählerisches Geschick“, etwa in „Der Weltensammler“, für den Trojanow 2006 den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt. Trojanow ist der sechste Autor, der den von der Würth-Gruppe (Künzelsau) gestifteten Preis erhält. Zuvor waren Hermann Lenz (1998), Claudio Magris (2000), Claude Vigée (2002), Harald Hartung (2004), Herta Müller (2006) und Peter Turrini (2008) ausgezeichnet worden.

Für seinen Debütroman „Herr Blanc“ erhält der Schweizer Schriftsteller Roman Graf den mit 10.000 Euro dotierten Mara-Cassens-Preis des Literaturhauses Hamburg. „Roman Graf verwandelt in seinem ersten Roman das in der Unentschlossenheit verpasste Leben seines schrulligen Antihelden in eine Hommage an den Eigensinn und an das Alter“, heißt es in der Begründung der Jury. Die Hamburger Stifterin Mara Cassens möchte mit ihrem Preis Autorinnen und Autoren ermöglichen, „sich für eine gewisse Zeit ganz dem Schreiben zu widmen“. Der Preis wurde am 7. Januar im Literaturhaus Hamburg verliehen.

Die deutsch-ungarische Schriftstellerin Terézia Mora erhält den diesjährigen Adelbert-von-Chamisso-Preis. Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung der Robert-Bosch-Stiftung wird der 38-Jährigen am 4. März in München überreicht. Teréza Mora wurde vor allem mit ihrem Roman „Alle Tage“ bekannt. Vor kurzem veröffentlichte sie „Der einzige Mann auf dem Kontinent“. Der nach dem deutsch-französischen Dichter Adelbert von Chamisso (1781-1838) benannte Preis ehrt Autoren, die nicht aus Deutschland stammen, sich jedoch nach Auffassung einer Jury um die deutsche Sprache und Literatur verdient gemacht haben.

Gewinner des Kleist-Förderpreises für junge Dramatiker ist Oliver Kluck. Der Autor wird für sein Stück „Warteraum Zukunft“ ausgezeichnet, wie die Messe und Veranstaltungs GmbH in Frankfurt (Oder) mitteilte. Die Geburtsstadt des Dichters Heinrich von Kleist (1777-1811) vergibt den mit 7.500 Euro dotierten Preis zum 15. Mal. Der Preis garantiert die Uraufführung des Stückes. 48 Autoren hatten sich für die Auszeichnung beworben. Das Schauspielhaus Hamburg wird das Stück inszenieren und am 18. Mai bei den Ruhrfestspielen uraufführen.

Der Schriftsteller Albert Ostermaier erhält den Bertolt-Brecht-Preis der Stadt Augsburg. Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung soll Ostermaier am 10. Februar beim Augsburger Brecht-Festival überreicht werden. Nach Angaben der Stadt sei Ostermaier als bedeutender Gegenwartsautor mit Bezug zu Brecht der Auszeichnung besonders würdig. Ostermaier wurde 1967 in München geboren und hatte das frühere Brecht-Festival in Augsburg ins Leben gerufen. Der Brecht-Preis wird alle drei Jahre vergeben. Frühere Preisträger sind die Autoren Franz Xaver Kroetz, Christoph Ransmayr und Urs Widmer.

Der Entertainer Hape Kerkeling erhält den Medienpreis für Sprachkultur 2010. „Dass Hape Kerkeling ein brillanter Sprachkünstler ist, hat er auf vielfältige Weise bewiesen“, sagte die Geschäftsführerin der Gesellschaft, Karin Eichhoff-Cyrus. Sie erinnerte dabei an seine Fernsehauftritte, Filme, Kabarettfiguren und das Buch „Ich bin dann mal weg“. Kerkeling gehe in allen Medien „angemessen und gut“ mit Sprache um. Der Preis wird seit mehr als 20 Jahren verliehen für besondere Verdienste um die Sprachkultur in Presse, Hörfunk und Fernsehen. Zuletzt hatte 2008 das Fußball-Moderatoren-Duo Günter Netzer und Gerhard Delling den Preis erhalten. Als Ehrengabe erhalten die Preisträger das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm in 33 Bänden.

Die spanische Schriftstellerin Clara Sánchez hat den Nadal-Preis gewonnen, die älteste Literatur-Auszeichnung ihres Landes. Die 54-jährige Autorin erhielt den mit 18.000 Euro dotierten Preis in Barcelona für ihren Roman „Lo que esconde tu nombre“ (Was dein Name verbirgt). In dem Psycho-Thriller geht es um einen spanischen Überlebenden des KZ-Lagers Mauthausen, der ein altes deutsches Nazi-Ehepaar entdeckt, das unter falscher Identität an der Costa Blanca lebt. Sánchez ist Philologin und arbeitete lange Zeit als Hochschulprofessorin. Ihr erster Roman erschien 1989. Der Nadal-Preis wird seit 1944 vom Destino-Verlag vergeben. Dieses Jahr waren 261 Manuskripte eingereicht worden.

Der britische Costa-Literaturpreis ist an den Dichter Christopher Reid für seine Liebesgedichte-Sammlung „A Scattering“ verliehen worden. Für die Hommage an seine gestorbene Ehefrau bekam der 60-Jährige die mit 30.000 Pfund (ca. 35.000 Euro) dotierte Auszeichnung in London überreicht. Die Jury lobte das Werk als „Triumph der Liebe vor und nach dem Tod“. Der in Hongkong geborene Brite war mit der Fernsehschauspielerin Lucinda Gane 30 Jahre lang verheiratet. Sie starb im Oktober 2005. Der Costa Book Award gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen in der englischsprachigen Literatur. (dpa/dan/len)


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