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Nobelpreis für Herta Müller

Autorin Herta Müller: Erfahrung mit Diktatur und Fremdheit

© Die Berliner Literaturkritik, 08.10.09

BERLIN (BLK) - Die diesjährige Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller ist eine „Chronistin des Alltagslebens in der Diktatur“», die ihre Kindheit in Rumänien als Schule der Angst durchlebt hat und davon in ihren Werken beredet und bedrückend Zeugnis ablegt. Seit Anfang der 90er Jahre und der Übersetzung ihrer Werke in mehr als 20 Sprachen gehört Müller mit Büchern wie „Der Fuchs war damals schon ein Jäger“, „Herztier“ und „Heute wäre ich mir lieber nicht begegnet“ zu den wichtigen Autoren im internationalen Literaturbetrieb.

Das Lebenswerk der heute 56-Jährigen deutsch-rumänischen Autorin zeugt von schmerzhaften Erinnerungen an eine düstere Vergangenheit unter dem Ceausescu-Regime, dem die im seinerzeit deutschsprachigen Banat geborene Autorin erst 1987 entkommen konnte, als sie zusammen mit ihrem damaligen Mann Richard Wagner die Ausreise beantragte und nach Deutschland ausreiste.

Herta Müller wurde am 17. August 1953 in Nitzkydorf im Kreis Temeschwar im lange Zeit deutschsprachigen Banat in Rumänien geboren. Nach den Eingriffen der Zensur in ihr erstes Buch und wiederholten Verhören und Hausdurchsuchungen verließ Müller 1987 schließlich ihre Heimat und siedelte in das damalige West-Berlin über. Schon 1984 war im Westen ihr Erzählband „Niederungen“ erschienen.

Der später folgende Prosaband „Reisende auf einem Bein“ entstand 1989 bereits in West-Berlin und spiegelt das Fremdsein in der neuen Heimat wider. Der Alltag in einem totalitären System ist Thema ihres Romans „Der Fuchs war damals schon der Jäger“ (1992). „Herztier“ (1994) beschreibt das Leben der Oppositionellen in Rumänien. 2003 veröffentlichte sie (im Hanser Verlag) einen Essay-Band mit dem Titel „Der König verneigt sich und tötet“ und 2005 die Text-Bild-Collagen „Die blassen Herren mit den Mokkatassen“. Gegenwärtig arbeitet sie an der Fertigstellung eines autobiografischen Textes des 2006 gestorbenen Büchner-Preisträgers und Landsmannes Oskar Pastior mit dem Arbeitstitel „Atemschaukel“ mit Erinnerungen an dem Alltag in sowjetischen Arbeitslagern, an dem die beiden Autoren gemeinsam gearbeitet hatten.

Müller erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Kleist-Preis, den Joseph-Breitbach-Preis, den Würth-Preis für Europäische Literatur und 2006 den Walter-Hasenclever-<wbr></wbr>Literaturpreis. Seit 1995 ist Herta Müller Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Mit ihrem aktuellen Roman „Atemschaukel“ steht sie auch auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises, der in der kommenden Woche bei der Frankfurter Buchmesser verliehen wird. (dpa/kum)

 

Die Werke der deutsch-rumänischen Autorin Herta Müller sind geprägt von ihren Erfahrungen im totalitären System des Ceausescu-Regimes. Sie schreibt gegen das Vergessen. Wichtige Werke, die früher bei Rowohlt herauskamen und jetzt bei Hanser erscheinen:

„Niederungen“ (1984), Erzählungen

„Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt“ (1986), Erzählungen

„Barfüßiger Februar“ (1987), Erzählungen

„Reisende auf einem Bein“ (1989), Prosa

„Der Teufel sitzt im Spiegel“ (1991), Essays

„Der Fuchs war damals schon der Jäger“ (1992), Roman

„Herztier“ (1994), Roman

„Hunger und Seide“ (1995), Essays

„Heute wär ich mir lieber nicht begegnet“ (1997), Roman

„Der Fremde Blick oder das Leben ist ein Furz in der Laterne“ (1999), Essays

„Im Haarknoten wohnt eine Dame“ (2000), Collagen

„Der König verneigt sich und tötet“ (2003), Essays

„Die blassen Herren mit den Mokkatassen“ (2005), Text-Bild Collagen.

„Atemschaukel“ (2009), Roman


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