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Liederliche Lästermäuler der Popwelt versammelt Susan Black

Eine leichte, ebenso leicht vergessene Lektüre

Von: HOLGER BÖTHLING - © Die Berliner Literaturkritik, 22.04.08

 

Ein Buch über die Lästereien der Popwelt – unter Marketinggesichtspunkten ist das keine schlechte Idee. Schließlich sind die kleinen Nichtigkeiten aus dem Showbusiness längst keine Spezialität der Boulevardmedien mehr. Auch die so genannte seriöse Presse hebt heute Klatschgeschichten, die sie einst verschämt in der Rubrik „Vermischtes“ versteckt hat, auf die vorderen Seiten. Wenn die „Bunte“ die meistgelesene Zeitschrift in der Business Class ist, und die „Tagesschau“ über Daniel Küblböck berichtet, können Verlag und Autor mit so einem Buch eigentlich nicht verkehrt liegen.

Und tatsächlich: Kurz nach Erscheinen von Susan Blacks „You bitch! You bastard!“ stürzen sich zuerst die Onlinemedien auf die Zitatsammlung aus dem Musikzirkus. Ein peinliches Bild des Künstlers und das passende fiese Zitat in einer Fotogalerie: Das treibt die Klickraten nach oben – ob nun beim „Stern“, bei „Spiegel Online“ oder dem ZDF. Die Printmedien folgen. Alle lieben es, sich über die Sticheleien der Rock- und Popstars zu amüsieren. Und natürlich ist das Buch wie gemacht für Blogger und Musikjournalisten. Eine wahre Fundgrube sogar. Material auf Lebenszeit.

Wer kommt in „You bitch! You bastard!“ zu Wort? Altmeister wie Paul Weller und John Lydon alias Johnny Rotten genauso wie aktuelle Stars und Sternchen. Wie ist das Buch aufgebaut? Es gibt Kapitel zu einzelnen Musikern (der unvermeidliche Pete Doherty) und Bands, zu Dekaden und bestimmten Themen – etwa Pop und Politik. Wie explizit ist das Ganze? So vulgär wie der Buchtitel vermuten lässt, werden die Stars selten. Viele Zitate sind sogar ziemlich öde. Was sind die Höhepunkte? Richtig amüsant wird es beim Thema Sex, bei den Wortgefechten der Metal-Szene und bei allem, was die Osbourne-Familie so von sich gibt. Ach, und die Einlassungen von Wayne Coyne sind sogar richtig gehaltvoll.

Wo liegen die Schwachpunkte? Da gibt es leider einige. Das Vorwort der Herausgeberin ordnet nicht ein, hinterfragt nicht, verharrt in der Beschreibung. Die Gehässigkeiten werden lediglich „zelebriert“ statt kulturkritisch reflektiert. Entsprechend banal fällt das Fazit aus: Egal, wie privilegiert, gut behütet und wohlhabend die Popstars seien, sie fänden immer etwas, über das sie sich das Maul zerreißen könnten. Aha. Welcher der Aussprüche auf den folgenden 200 Seiten dann verbürgt ist, und was der Fantasie der Herausgeberin (oder ihrer Quellen) entspringt – der Leser erfährt es nicht. Quellenangaben existieren genauso wenig wie eine zeitliche Zuordnung der Zitate. Selbst ihre Zuordnung zu den Kapiteln ist mitunter schwer nachvollziehbar.

Vielleicht sollte man nicht so viel Akribie und Tiefgang von einem Buch erwarten, das in erster Linie unterhalten soll. Was aber wirklich wundert: Warum fehlt ein Namensregister? Jeder will doch sofort die Zitate seiner meistgeliebten respektive meistgehassten Künstler nachschlagen. Dem interessierten Leser bleibt so nur das Durchblättern von vorne bis hinten. Länger als die allabendlichen People-Magazine in der Glotze dauert das zum Glück nicht: Das ganze Werk hat man in einer guten Dreiviertelstunde konsumiert – inklusive der gelungenen Illustrationen von Jana Komarkova. Mit dem Versprechen, „ein Lesevergnügen voller Schadenfreude und Missgunst“ zu bieten, appelliert das Buch an die niederen Instinkte der Leser. Das passt. Eine leichte, ebenso leicht vergessene Lektüre. Die Karawane zieht weiter.

Literaturangaben:
BLACK, SUSAN (Hrsg.): You bitch! You bastard! Die größten Rock- und Popstars ziehen übereinander her. Aus dem Englischen übersetzt von Thorsten Wortmann. Zeichnungen von Jana Komarkova. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2008. 208 S., 14,90 €.

Verlag

Holger Böthling arbeitet als freier Journalist und Buchkritiker in Berlin


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