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„Lebt bewusst!“ – Susan Sontag wäre 75 Jahre alt geworden

Sontag war weltweit als eine der intelligentesten und vielseitigsten Frauen des Jahrhunderts geschätzt

© Die Berliner Literaturkritik, 16.01.08

 

Von Gisela Ostwald

NEW YORK (BLK) – „Lebt bewusst“, schärfte Susan Sontag ihren Lesern und Zuhörern zeitlebens ein. „Macht etwas, beißt Euch fest, seid neugierig.“ Schon 1992, Jahre vor ihrem Tod im Dezember 2004, machte die amerikanische Literatin in einem „Time“-Interview klar: „Meine gesamte Arbeit ruft zu Aufrichtigkeit, Mitgefühl und Offenheit auf.“ An diesem Mittwoch (16. Januar 2008) wäre die Autorin berühmter Essaysammlungen, Romane, Filmscripts und Theaterstücke 75 Jahre alt geworden.

Sontag war weltweit, außer unter den Rechten im eigenen Land, als eine der intelligentesten und vielseitigsten Frauen des Jahrhunderts geschätzt. Sie war eine Meisterin der Provokation. Die „New York Times“ rühmte sie gar als „eine der am meisten vergötterten – und polarisierendsten – Personen der Geisteswelt“. Der Deutsche Buchhandel verlieh Sontag, deren Bände in 32 Sprachen übersetzt wurden, 2003 seinen renommierten Friedenspreis.

„Sie öffnete uns die Augen für Dinge, die wir vorher nicht gesehen hatten“, sagt der literarische Herausgeber der Zeitschrift „The New Republican“, Leon Wieseltier, anerkennend. Sontag habe ein Leben lang darum gekämpft, die Balance zwischen Moral und Ästhetik zu halten. Selbst wenn man nicht mit ihr übereinstimmte, zwang sie einen zum Nachdenken, bestätigt die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood.

Sontag wurde als Susan Rosenblatt geboren, in eine bürgerlich-jüdische Familie. Schon im Alter von 14 Jahren wurde sie von Thomas Mann zum Tee geladen. Damals verschlang sie Enzyklopädien und las mit Vorliebe Edgar Allan Poe. Mit 16 Jahren besuchte sie die Universität von Chicago, an der sie Philosophie, Französisch und Literatur studierte. Ein Jahr später heiratete sie ihren Professor und wurde Mutter. Ihr Sohn David Rieff ist selbst Autor mehrerer Bücher.

Es folgten Studien an den Universitäten Oxford, Berkeley und Harvard. Dort schrieb sie ihre Philosophie-Doktorarbeit bei Paul Tillich. Dann ging sie nach Paris, um sich mit dem französischen Existenzialismus zu beschäftigen. Zurück in New York ließ sich die attraktive junge Frau scheiden – und schrieb. Ihre Essays erschienen von 1962 an in avantgardistischen Kunst- und Literaturzeitschriften. Sie selbst sah sich vor allem als Romanautorin, anders als die meisten Kritiker, die Essaybände wie „Against Interpretation“ (1966), „Styles of Radical Will“ (1969), „On Photography“ (1977) oder auch „Krankheit als Metapher“ (1978) als ihre bedeutendsten Beiträge betrachten.

Zwischendurch drehte Sontag Filme wie „Duet for Cannibals“ in Schweden, stellte sich selbst vor die Kameras von Woody Allen und Andy Warhol und inszenierte 1992 im zerstörten Sarajevo Samuel Becketts „Warten auf Godot“. Der Roman „In Amerika“ brachte ihr im Jahr 2000 den National Book Award ein, einen der wichtigsten Buchpreise der USA. Sie wurde jedoch auch mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. 2003 erschien in Deutschland auch „Das Leiden anderer betrachten“, ihr Fotoband über die Folter irakischer Gefangener in dem amerikanischen Militärgefängnis Abu Ghuraib.

Ihre letzte Ruhestätte fand die streitbare Amerikanerin nicht in ihrer Heimat New York, sondern in Paris. Dort liegt sie auf dem Friedhof Montparnasse in der Nähe von Samuel Beckett, Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir.


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