BERLIN (BLK) — Zum Kleist-Jahr 2011 mit Theaterfestival, Ausstellungen und Kongressen ist auch eine Neugestaltung des Kleist-Grabes am Berliner Wannsee geplant. Das teilten die Kleist-Gesellschaft und die Bundeskulturstiftung am Montag (15.06.) in Berlin mit. Die Stiftung will anlässlich des 200. Todestages des Dichters einen Architekturwettbewerb für die Neugestaltung des Grabes am Kleinen Wannsee ausschreiben. Es befinde sich „in einem ruinösen Zustand“. Der Dichter Heinrich von Kleist hatte dort zusammen mit Henriette Vogel am 21. November 1811 Selbstmord verübt.
Die jetzige Grabgestaltung mit einem Granitstein und einer schmiedeeisernen Einfriedung unter einem Baum stammt aus der NS-Zeit, aus dem Berliner Olympiajahr 1936. Das Zitat aus Kleists Drama „Prinz Friedrich von Homburg“ mit der Zeile: „Nun, o Unsterblichkeit, bis Du ganz mein“ wurde 1941 angebracht. Vorher lautete sie: „Er lebte, sang und litt/in trüber schwerer Zeit/er suchte hier den Tod/und fand Unsterblichkeit.“
In einer europaweiten Auslosung soll für die Neugestaltung ein international renommierter Künstler gefunden werden. Vorbild sei die Gestaltung der Gedenkstätte am Ort des Selbstmordes von Walter Benjamin an der spanisch-französischen Grenze in Port Bou durch den israelischen Künstler Dani Karavan.
Im Kleist-Jahr 2011 sind in Zusammenarbeit mit dem Kleist-Museum in der Geburtsstadt des Dichters, Frankfurt an der Oder, zentrale Veranstaltungen in beiden Städten geplant. Im Berliner Maxim-Gorki-Theater sollen in einem zweiwöchigen Bühnenmarathon alle Dramen Kleists in Neuinszenierungen aufgeführt werden. Federführend sind dabei Intendant Armin Petras und sein Hausregisseur Jan Bosse. Koproduktionspartner sind die Kammerspiele München und das Schauspielhaus Zürich. Im Berliner Ephraim-Palais und in Frankfurt an der Oder ist eine kulturhistorische Ausstellung mit dem Arbeitstitel „Krise und Experiment“ geplant.
Die Bundeskulturstiftung stellt für die Vorhaben im Kleist-Jahr insgesamt zwei Millionen Euro zur Verfügung. Die Projekte sollen den lange Zeit als Außenseiter der deutschen Literaturgeschichte verkannten Dichter „vor allem als Vorläufer der Moderne würdigen“ und die „Aktualität seines künstlerischen Erbes“ verdeutlichen, wie Günter Blamberger als Präsident der Kleist-Gesellschaft betonte.
Die Bundeskulturstiftung hat auf ihrer jüngsten Sitzung unter Vorsitz von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) insgesamt neun Millionen Euro für neue Projekte bewilligt. Dazu gehören das Afrika-Festspielhaus-Projekt des Berliner Regisseurs Christoph Schlingensief sowie das Opernprojekt „Moses und Aron“ von Arnold Schönberg zur Ruhrtriennale im August, das mit 700.000 Euro gefördert wird.
Eine im Frühjahr 2011 geplante große Dokumentationsausstellung „Spuren des Gulag 1929-1956“ wird mit 232.000 Euro unterstützt. Es ist eine Zusammenarbeit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora mit dem von Andrej Sacharow 1988 gegründeten Menschenrechtszentrum Memorial Moskau. Die Wanderausstellung dokumentiert die Zwangsarbeits- und Straflager, Gefängnisse und Verbannungsorte in der damaligen Sowjetunion in der Stalin-Ära. Mit weiteren 600.000 Euro unterstützt die Bundeskulturstiftung auch den World Cinema Fund der Berlinale. (dpa/mül/köh)