Von Sophia-Caroline Kosel
LEIPZIG (BLK) - Für den Preis der Leipziger Buchmesse 2011 haben 131 Verlage 480 Titel eingereicht. Sieben Literaturkritiker – die Juroren - haben die Werke binnen sechs Wochen gelesen. Am Donnerstag (27.1.) werden sie 15 herausragende Neuerscheinungen nominieren; je fünf in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung. Es gebe sehr interessante Kandidaten, sagte Jury-Chefin Verena Auffermann wenige Tage vor der Jury-Sitzung im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Drei der Nominierten erhalten auf der Leipziger Buchmesse Ende März den mit je 15.000 € dotierten Preis.
Der Buchpreis wird zum siebenten Mal verliehen - ist das Prozedere der Auswahl noch immer das Gleiche?
Auffermann: „In diesem Jahr haben wir das unübersehbare Feld der Einreichungen von den Verlagen eingedämmt. Grundsätzlich dürfen die Verlage einreichen, die an der Messe teilnehmen, aber statt bislang drei Titel je Kategorie durften sie diesmal nur zwei auswählen. Wir sind aber nicht nur an die Einreichungen gehalten: Die Jury ist frei, auch noch andere Bücher, die ihr aufgefallen sind, auszuwählen.“
Unterstützen Sie dieses Literaturmagazin: Kaufen Sie Ihre Bücher in unserem Online-Buchladen - es geht ganz einfach und ist ab 10 Euro versandkostenfrei! Vielen Dank!
Hat jeder von Ihnen alle Bücher gelesen?
Auffermann: „Beim Lesen haben wir uns dieses Jahr aufgeteilt; alphabetisch, da kann niemand schimpfen. Jeder war zunächst für etwa 50 Bücher zuständig. Wir haben in den vergangenen Wochen außerordentlich viel, positiv, kreativ und anregend miteinander diskutiert.“
Dominieren bei der Belletristik eher jüngere oder ältere Autoren?
Auffermann: „Es sind wenige wahnsinnig Junge, also etwa 23-Jährige, dabei. Das Feld bewegt sich zwischen den 30- und 50-Jährigen, es sind aber auch durchaus Ältere dabei. Alter spielt aber für uns keine Rolle. Eine Rolle spielt nur und ganz allein die Qualität!“
Welche thematischen Belletristik-Trends sind Ihnen diesmal aufgefallen?
Auffermann: „Die Sache mit den Trends ist eigentlich nicht auszumachen. Es wäre ein Armutszeugnis der Literatur, wenn plötzlich alle über den Irak-Krieg oder über ihre eigenen Erfahrungen mit dem Handy schreiben würden. Ich bin sehr froh über die Vielfalt, die einem in der Literatur begegnet, denn das ist ja eigentlich das, was sie ausmacht. Es gibt aber Themen, die sich wiederholen, solange es Literatur gibt: Kindheitserfahrungen, die sehr unterschiedlich formuliert werden, zum Teil in exotischen Szenarien, auch immer noch aus dem Nachkriegsdeutschland; Expeditionen von Jugendlichen, Pubertätskatastrophen; Geschichten von Lebenskünstlern am Rand der Gesellschaft und auch der Legalität.“
Was sind derzeit die Lieblingsthemen der Sachbuchautoren?
Auffermann: „Sie beschäftigen sich mit Brennpunkten der öffentlichen Auseinandersetzung: dem Geld, der Ernährung, der Pädagogik, der Islamfeindlichkeit, mit Afrika und mit philosophischen Betrachtungen.“
Wie schwer fällt diesmal die Auswahl der herausragendsten Werke?
Auffermann: „Wir haben eine Liste von Büchern, die wir diskutieren werden. Da sind sehr unterschiedliche, aber sehr interessante Kandidaten drauf. Ich glaube, dass wir wie immer heiß diskutieren werden - aber dass es uns dann doch nicht so schwer fällt, eine hervorragende Liste zusammenzustellen.“