BERLIN (BLK) – Die „FAZ“ bespricht Stefan Neuhaus’ und Johann Holzners „Literatur als Skandal“. Die Geschichte des literarischen Skandals sei umfassend dargestellt, lobt die „FAZ“. Das Tagebuch „Somnia. Tagebuch 1991“sei, wie Tagebücher sein sollen, meint die „SZ“. Außerdem in der Presseschau: Jonathan Carrs „Der Wagner Clan“ und Johano Strassers Provinzroman „Bossa Nova“.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“
Vom „Ende des Managements“ kündet Gary Hamel in dem von der „FAZ“ besprochenen Buch „Das Ende des Managements“. Der Autor sei „Management Guru“ und habe einen Lehrauftrag an der London Business School inne, schreibt der Rezensent. Dem Autor gehe es in erster Linie darum, die eingefahrenen Denkmuster bisheriger Schulen zu überdenken. Hamel wolle mit seinem Buch eine Hilfe zur Selbsthilfe liefern, meint die „FAZ“.
Jonathan Carrs „Der Wagner Clan“ rezensiert Eleonore Büning für die „FAZ“. Jonathan Carr sei ein langjähriger Wagner-Fan und Bayreuth Pilger, berichtet die Rezensentin. Richard Wagner halte er für ein „Monstrum“, das „gerne quälte, wen es liebte“. Sehr angetan zeigt sich Büning von der gelungenen Übertragung ins Deutsche, da Carrs „angelsächsischer Witz“ gerettet werden konnte.
Roman Luckscheiter bespricht Stefan Neuhaus’ und Johann Holzners „Literatur als Skandal“ in der „FAZ“. Die beiden österreicherischen Herausgeber hätten sich mit der Geschichte des literarischen Skandals sehr umfassend beschäftigt, lobt Luckscheiter. Es gebe kaum noch Tabubrüche der heutigen Literatur, die längeren Bestand hätten, heißt es in der Studie. Es bleibe offen, ob der Leser über die Bücher moralisch urteile oder seine geheimsten Wünsche ausgesprochen sehe, berichtet der Rezensent.
Manuela Lenzen rezensiert in der „FAZ“ Ruth Bergers „Warum der Mensch spricht“. Dieses Buch sei eine lohnende Lektüre, schreibt die Rezensentin. Warum nur ist Sprache so kompliziert? Ein gediegener Stil sei „wie eine Pfauenfeder“ führe Berger an, „sie signalisiere Intelligenz und Fitness“, lobt die Rezensentin. Statt mit reißerischen Thesen zu langweilen, schreibt die Rezensentin, sei das Buch angenehm zu lesen.
Johano Strassers Roman „Bossa Nova“ lasse die Utopie vom einfachen Leben mit der kleinbürgerlichen Tristesse kollidieren, schreibt Anja Hirsch in der „FAZ“. Strasser lege ein „Plädoyer für das Glück des ‚normalen’ Lebens“ vor, was jedoch nicht ganz überzeugend wirke, weil immer wieder die Gegenperspektive hineinspiele. Die tägliche Not der Helden, sich der eigenen Existenz zu versichern, drohe schließlich auf den Text selbst abzufärben und ihn kraftlos werden zu lassen, meint Anja Hirsch.
Steffen Gnam bespricht in der „FAZ“ den Band „Nachtschwimmen im Rhein. Fünf Erzählungen“ der Autorin Luo Lingyuan. Die Liebesgeschichten, die die Autorin kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland auf Chinesisch verfasste, „beleuchten mit großer Beobachtungsgabe lakonisch und tiefenscharf interkulturelle Begegnungen“, lobt der Rezensent. Trotz der Konzentration auf Alltagsinteraktionen spüre der Leser die Sogkraft eines subtil in die Katastrophe gesteigerten Spannungsbogens, schreibt Gnam.
George Meredith’ „Die tragischen Komödianten“ bespricht Werner von Koppenfels von der „FAZ“. In diesem Buch, 1888 zuerst erschienen, schildere Meredith die letzten Monate des im Duell getöteten deutschen Arbeiterführers Ferdinand Lassalle (1825-1864). Der Held zerrieb sich an den Verhältnissen, meint der Kritiker. Die Übersetzerin Irma Wehrli, eigentlich spezialisiert für viktorianische Sprachbesonderheiten, zeige sich leider überfordert, findet der Rezensent.
„Neue Zürcher Zeitung“
Für die „NZZ“ beschäftigt sich Angelika Overath mit „Abaleard als Dichter“ von Ursula Niggli. Die Forscherin und Autorin übersetzt die Klagelieder des Dichters Peter Abaelard (1079-1142) erstmals ins Deutsche. Das Material reiche getrost für mehrere Romane, schreibt die Rezensentin Angelika Overath. Nigglis Übersetzung der Klagelieder bilde „das Kernstück eines anschaulich und persönlich geschriebenen Buches“, findet Overath.
„Süddeutsche Zeitung“
Walter Kempowskis neues, nun postum erschienenes, aber noch von ihm selbst redigiertes Tagebuch „Somnia. Tagebuch 1991“ sei auch ein Fernseh-Tagebuch schreibt Ijoma Mangold in der „SZ“. Dieses Tagebuch sei eine liebenswerte und belebende Lektüre, lobt der Rezensent. Dieses Tagebuch sei, wie Tagebücher sein sollen, „köstlich und vollkommen idiosynkratisch“.
Es seien oft Binsenweisheiten, die Andreas Rosenfelder in „Digitale Paradiese“ dem Leser vermittle, beginnt Stefan Heidenreich seine Rezension für die „SZ“. Der Autor „plündere“ die Klassiker der Geistesgeschichte, beachte jedoch nicht neuste Computerstudien, kritisiert der Rezensent. „Lückenhaftes Halbwissen mit Halbbildung angereichert“ erwarte den Leser bei der Lektüre von „Digitale Paradiese“. (car/lea/sat/wip)
Literaturangaben:
BERGER, RUTH: Warum der Mensch spricht. Eine Naturgeschichte der Sprache. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2008. 303 S., 19,95 €.
CARR, JONATHAN: Der Wagner Clan. Geschichte einer deutschen Familie. Aus dem Englischen von Hermann Kusterer. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2008. 487 S., 22 €.
HAMEL, GARY mit BREEN, BILL: Das Ende des Managements. Unternehmensführung im 21. Jahrhundert. Aus dem Amerikanischen von Stephan Gebauer. Econ Verlag, Berlin 2008. 384 S., 24,90 €.
KEMPOWSKI, WALTER: Somnia. Tagebuch 1991. Knaus Verlag, München 2008. 557 S., 24,95 €.
LINGYUAN, LUO: Nachtschwimmen im Rhein. Fünf Erzählungen. Aus dem Chinesischen von Axel Kassing. Mit einem Nachwort der Autorin. dtv, München 2008. 180 S., 14,90 €.
MEREDITH, GEORGE: Die tragischen Komödianten. Roman. Aus dem Englischen übersetzt von Irma Wehrli. Nachwort von Hanjo Kesting. Manesse, Zürich 2007. 320 S., 17,90 €.
NEUHAUS, STEFAN / HOLZNER, JOHANN (Hrsg.): Literatur als Skandal. Fälle – Funktionen – Folgen. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2007. 735 S., 72,90 €.
NIGGLI, URSULA: Peter Abaelard als Dichter. Aus dem Lateinischen von Ursula Niggli. Francke, Tübingen 2007. 224 S., 24,90 €.
ROSENFELDER, ANDREAS: Digitale Paradiese. Von der schrecklichen Schönheit der Computerspiele. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008. 192 S., 8,95 €.
STRASSER; JOHANO: Bossa Nova. Ein Provinzroman. Pendo Verlag, München 2008. 171 S., 16,90 €.
Presseschau vom 6. Juni 2008
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