SAO PAULO (BLK) - Brasiliens Bestseller-Autor Paulo Coelho („Der Alchimist“) ist nach Angaben seines früheren Verlegers im Iran mit einem Veröffentlichungsverbot belegt worden. Dies habe ihm eine Quelle im iranischen „Ministerium für Kultur und islamische Führung“ mitgeteilt, schrieb der im Exil lebende Ex-Direktor des inzwischen geschlossenen Verlags „Caravan Books“, Arash Hejazi, am Dienstag (11.1.) auf seiner Internetseite. Coelho („Der Alchimist“), ein Freund Hejazis betonte, es könne sich nur um ein „Missverständnis“ handeln. Brasiliens Kulturministerin äußerte sich besorgt.
„Ich wurde vor zwei Tagen von jemandem (den Namen kann ich unglücklicherweise aus Sicherheitsgründen nicht nennen) im Ministerium für Kultur und islamische Führung informiert, dass es Anweisung gibt, alle Bücher Paulo Coelhos im Iran zu verbieten. Kein Buch, das Paulo Coelhos Namen als Autor trägt, wird künftig mehr die Genehmigung zur Veröffentlichung erhalten“, schrieb Hejazi. Er vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Verbot und einer öffentlichen Stellungnahme, die er, Hejazi, im Juni 2009 im britischen Sender BBC machte.
Hejazi hatte damals bei einer Demonstration in Teheran den Mord an der Iranerin Neda Agha-Soltan unmittelbar als Zeuge miterlebt und die Tat wenige Tage später als Verbrechen der Pro-Regierungs-Milizen in der BBC geschildert. Der Vorgang in Teheran wurde als Video im Internet weltbekannt, und Coelho hatte Hejazi auf dem Video identifiziert und dessen Darstellung gestützt. „Nun sieht es so aus, als ob Paulo Coelho den Preis dafür zahlt, dass er sich in diesem Fall für mich eingesetzt hat“, betonte Hejazi, der als ausgebildeter Arzt versucht hatte, der Frau nach dem tödlichen Schuss zu helfen.
Der 63-jährige Schriftsteller selbst betonte in seinem Internetblog, es könne sich nur um ein „Missverständnis“ handeln, das hoffentlich diese Woche aufgeklärt werden könne. Er zähle in dieser Frage sehr auf die Unterstützung der brasilianischen Regierung. Seine Bücher würden seit 1998 im Iran in verschiedenen Verlagshäusern veröffentlicht. Schätzungsweise seien bislang etwa sechs Millionen Bücher im Iran verkauft worden. „Eine willkürliche Entscheidung, nach zwölf Jahren Veröffentlichungen in dem Land, kann nur ein Missverständnis sein.“
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Aus Teheran gab es zunächst keine Bestätigung für das Verbot. Brasiliens neue Kulturministerin, Ana de Hollanda, betonte aber, sie werde den Fall mit ihrem brasilianischen Kabinettskollegen, Außenminister Antonio Patriota, beraten. „Für die Kultur kann ich nur sagen, dass Zensur immer bedauerlich ist.“ Aus Coelhos Feder stammen unter anderem die Bestseller „Der Alchimist“, „Elf Minuten“, „Veronika beschließt zu sterben“ und „Am Ufer des Rio Piedra saß ich und weinte“. (swe/dpa)