Werbung

Werbung

Werbung

Inge Jens über kranken Ehemann: „Ich sehe seinem Entschwinden zu“

Sie habe auch mit Freunden wie Hans Küng über Sterbehilfe gesprochen

© Die Berliner Literaturkritik, 02.04.08

 

BERLIN (BLK) – Inge Jens hat erstmals ausführlich über die schwere Demenz-Erkrankung ihres Mannes Walter Jens und das Leben an seiner Seite in den vergangenen Jahren berichtet. „Ich bin jemand, der seinen Partner verloren hat. Den Mann, den ich liebte, gibt es nicht mehr“, sagte sie jetzt in einem Gespräch mit der Zeitschrift „Stern“. Erstmals hatten sie und ihr Sohn Tilman Jens die schwere Erkrankung Anfang März anlässlich des 85. Geburtstages des Tübinger Germanisten und Rhetorik-Professors öffentlich gemacht.

Die Krankheit habe ihren Mann, mit dem die heute 81-jährige Inge Jens seit 57 Jahren verheiratet ist, zu einem anderen Menschen gemacht. „Er ist in einer Welt, zu der ich wenig oder gar keinen Zugang habe.“ Er könne nicht mehr reden oder lesen, halte Bücher verkehrt herum und weine manchmal oder schlage auch um sich. „Das Sterben ist nicht aktuell. Ich sehe seinem Entschwinden zu“, meinte Inge Jens. „Wie fürchterlich es wird – ich hätte es nicht für möglich gehalten.“

Sie habe auch mit Freunden wie Hans Küng über Sterbehilfe gesprochen. Aber ihr Mann, dessen Mutter in einer Depression gestorben sei, sei „nicht so unglücklich, so voller Schmerzen, dass man ihm zum Sterben verhelfen sollte. (…) Ich bete, dass er eines Morgens einfach nicht mehr aufwacht. Wenn ich einen Wunsch äußern darf, dann den, dass er an einem Infarkt, einem Schlag, was immer es ist, schnell sterben mag, ohne es groß zu merken.“

Walter Jens habe immer eine freie Entscheidung über sein Lebensende gewollt, das habe er über viele Jahre für sich reklamiert, sagt seine Frau, die mit ihrem Mann zuletzt noch den Bestseller „Frau Thomas Mann“ (2003) geschrieben hat. „Aber den Zeitpunkt, seinem Leben ein Ende machen zu können, den hat er im wahrsten Sinne des Wortes verpasst.“ Aber rückblickend könne sie auch sagen: „Wir haben ein Leben gehabt, das schön war und das sich zu leben gelohnt hat. Ich bin mir sicher, mein Mann ist lebenssatt.“ (dpa/wip)


Bookmark and Share

BLK mit Google durchsuchen: