Von Irma Weinreich
Die Wege von vier Frauen kreuzen sich in den 90er Jahren zufällig in Prag. Lediglich Maruska hat fast ihr ganzes, ungewollt einsames Leben hier verbracht. Die drei anderen kommen aus dem fernen Brasilien. Nach dem endgültigen Ende des Kommunismus gibt es kein wirkliches Hindernis mehr, das Land und seine Menschen zu erkunden, mit dem sie sich auf geheimnisvolle Weise verbunden fühlen.
Die mitunter weit in die Vergangenheit zurückgreifenden Geschichten im Roman „Wir müssen uns irgendwie ähnlich sein“ von Markéta Pilátová lassen sich auf einen Nenner bringen: Es geht um die schwierige Suche nach der eigenen Identität.
Für ihr Buch bieten sich Pilatovas eigene Erfahrungen geradezu an. 1973 in Prag geboren, lebt sie heute in Südamerika. Für die studierte Romanistin und Journalistin ist es der erste Roman. Es ist ein bunter Flickenteppich, den die Autorin munter zwischen São Paulo und Prag hin- und herspringend ausbreitet.
Mal dreht sich alles um den banalen Alltag, dann wieder geht es um Geschichte, Krieg und Verfolgung. Die Frauen erzählen über sich selbst, von ihren Sehnsüchten und Enttäuschungen, sie reden über Glücksgefühle, Zerrissenheit, Liebe und Tod, Wahrheit und Lüge. Dem Auf und Ab im Leben scheint keine von ihnen zu entkommen, unabhängig von Mentalität und Heimat.
Die Lebensbeichte von Maruska und Luiza, ihrer hingebungsvollen Liebe zu einem tschechischen Juden und KZ-Häftling, der sich später als Emigrant in Brasilien als kleiner Doppelagent durchschlägt, könnte den Stoff für einen Spionagekrimi liefern. Marta und Lena agieren modernen Frauen angemessen mit gebotener Coolness. Ihre Suche in Prag nach Spuren tschechischer Vorfahren endet für Marta in den Armen eines jungen Tschechen. Ein bisschen Herzschmerz muss sein.
Literaturangabe:
PILÁTOVÁ, MARKÉTA: Wir müssen uns irgendwie ähnlich sein. Residenz Verlag, St. Pölten 2010. 206 S., 19,90 €.
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