Werbung

Werbung

Werbung

Elfriede Jelinek schreibt Stück über Hypo-Bank

In Österreich will Jelinek „Winterreise“ nicht auf der Bühne sehen

© Die Berliner Literaturkritik, 08.04.10

Jetzt wird die Affäre um die krisengeschüttelte Bank Hypo Group Alpe Adria (HGAA) zum echten Drama: Die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek will die Geschichte um die Ex-BayernLB-Tochter und ehemalige Kärntner Landesbank in einem Theatertext verarbeiten. Das berichtet das österreichische Magazin „News“ in seiner Donnerstagsausgabe. Das Stück „Winterreise“ soll nach Angaben des Rowohlt Theater Verlages voraussichtlich im Frühjahr 2011 in den Münchner Kammerspielen uraufgeführt werden.

„Die Geschichte der Bank ist nur eine sehr kleine von vielen Episoden – und sicher nicht die wichtigste“, sagte der Leiter des Rowohlt Theater Verlages und Jelineks Lektor, Nils Tabert. „Dass es ein Stück über die Bank sein soll, das ist Quatsch.“ Jelinek habe das Stück auch noch gar nicht fertiggeschrieben. „Es entsteht gerade erst. So, wie es jetzt angelegt ist, ist es eher unpolitisch. Es wird mit das Persönlichste sein, was sie jemals geschrieben hat und wird unter anderem auch um ihren Vater gehen.“ Im Januar 2011 soll es veröffentlicht und voraussichtlich einen Monat später uraufgeführt werden.

Die HGAA war 2007 von der BayernLB übernommen worden und hat sich für diese als Milliardengrab erwiesen. Im Dezember vergangenen Jahres verstaatlichte Österreich zähneknirschend das Geldinstitut, um es vor der Pleite zu retten. Inzwischen ermitteln Behörden in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und Kroatien unter anderem wegen des Verdachts der Untreue beim Verkauf der HGAA an die Bayern.

In ihrer Heimat Österreich will Jelinek „Winterreise“ laut „News“ nicht auf der Bühne sehen. Dies liege nicht an den Theatern, sondern an ihr selbst. „Ich will hier nicht mehr. Ich kann den Hass nicht mehr aushalten, der mir entgegenschlägt, wenn nur irgendwo mein Name aufscheint“, zitiert das Magazin die Autorin.

Bei dem Interview handelt es sich nach Angaben ihres Lektors Tabert allerdings um eine private E-Mail-Korrespondenz zwischen Jelinek und dem Journalisten. „Es ist kein autorisiertes Interview und wir sind über die Veröffentlichung einigermaßen irritiert“, sagte Tabert, der betonte, dass zahlreiche Stücke Jelineks auf österreichischen Bühnen gespielt werden und das auch weiterhin der Fall sein solle.

Die 63-jährige Autorin („Lust“, „Die Klavierspielerin“) aus der Steiermark greift in ihren Texten oft gesellschaftspolitische Themen auf wie die Aufarbeitung der österreichischen NS-Vergangenheit oder das Gletscherbahnunglück von Kaprun auf. Immer wieder kritisiert sie in ihren Werken auch männliche Allmachts- und Gewaltfantasien. Mit ihrer drastischen, teils obszönen Sprache hat sie sich nicht nur Freunde gemacht. Als sie 2004 für ihre „einzigartige sprachliche Leidenschaft“ den Literaturnobelpreis bekam, reichte das Spektrum der Reaktionen von Beifall bis Entsetzen. (dpa/sch)


Bookmark and Share

BLK mit Google durchsuchen: