Hera Linds Roman „Herzgesteuert“

Erfolgreiche Immobilienmaklerin verliebt sich in Obdachlosen

© Die Berliner Literaturkritik, 21.01.09

 

Von Susanna Gilbert-Sättele

Juliane Hempel ist 36 Jahre alt, alleinerziehende Mutter einer pubertierenden 12-Jährigen und die führende Immobilienmaklerin in Salzburg. Dafür hat sie aber auch jahrelang geschuftet und gerackert. Jetzt läuft das Geschäft, weltweit pflegt sie Kontakte zu betuchten Kunden und kennt Gott und die Welt. Alles wäre so schön, wenn da nicht die Männer wären. Vor allem der Ex, der auch noch ihr größter beruflicher Konkurrent ist.

Die Heldin in Hera Linds neuem Roman „Herzgesteuert“ ist wieder einmal – wie so oft schon bei ihren früheren Erfolgstiteln, mit denen die Autorin wiederholt die Bestellerlisten stürmte (darunter: „Superweib“ und „Ein Mann für jede Tonart“) – eine moderne, starke und tatkräftige Frau. Komme, was da wolle – berufliche Schwierigkeiten oder die Schulnöte der Tochter – Juliane Hempel wirft nie vorschnell die Flinte ins Korn und gibt sich selten geschlagen.

Voller Verve und Inbrunst stürzt sie sich ins Leben, stets bereit, ihr Bestes zu geben. Dabei lässt sie kaum ein Fettnäpfchen aus und schlittert garantiert von einem Missgeschick ins andere.

Außer ihrem Ärger mit dem Ex spielen Männer keine große Rolle in Juliane Hempels Leben. Bis sie eines Tages Georg kennenlernt, einen Obdachlosen, der sich auf ihrer Lieblingsbank im Park breitmacht, und dann auch noch in ihren Immobilien. Je mehr Juliane versucht, diesen Georg loszuwerden, desto mehr bringt er ihr Leben - und ihr Herz - durcheinander.

Das Leben in Liebesgeschichten unterscheidet sich ja nicht selten von der Realität. Und so ist auch der Obdachlose in diesem Roman ein ganz besonderer: eigentlich ein Engel, durch persönliches Unglück im wahrsten Sinne des Wortes „abgestürzt“. Ein Mensch, der gut in Mathe ist, vorzugsweise die „FAZ“ liest, nie einen Tropfen Alkohol trinkt und dabei sehr auf seine Reinlichkeit bedacht ist.

Erfolgreiche Immobilienmaklerin verliebt sich in einen Obdachlosen – auch wenn diese Geschichte zunächst unglaubhaft und konstruiert anmutet – nach wenigen Seiten spielt das kaum eine Rolle mehr. Das Buch ist so flott geschrieben, mit so viel Humor, voll gespickt mit komischen, teilweise irr- und aberwitzigen Situationen, heillosen Verstrickungen, mit köstlichen Dialogen und mit so viel Herz und etwas Schmerz, dass wohl vor allem die schon bisher größte Fangruppe von Hera Lind, die weibliche Leserschaft, auch hier wieder auf ihre Kosten kommen wird. Voraussetzung ist dafür allerdings, dass die Leserschaft nicht auf Tiefgang besteht und keine sozialkritische Abhandlung erwartet, sondern eine kurzweilige, vergnügliche und leichte Lektüre schätzt – pure und gute Unterhaltung eben.

 

Literaturangaben:
LIND, HERA: Herzgesteuert. Diana Verlag, München. 400 S., 17,95 €.

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