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Hein: Christa Wolf hat Bürgerrechtlern Mut gemacht

Wolf zeigt sich tief gerührt von Heins Laudatio

© Die Berliner Literaturkritik, 25.09.10

NEUBRANDENBURG (BLK) - Die Schriftstellerin Christa Wolf war in der DDR nach Ansicht ihres Kollegen Christoph Hein auch für die Bürgerrechtsbewegung sehr wichtig. „Ohne sie wären die 1980er Jahre in der DDR anders verlaufen“, sagte Hein am Freitagabend (24.09.2010) in Neubrandenburg, wo Wolf den Uwe-Johnson-Preis erhielt. Viele Bürgerrechtler hätten damals „auch von ihr Mut geliehen“, erklärte Hein in seiner Laudatio. Wolfs neues Buch „Stadt der Engel“ sei eine „handwerklich perfekte Lebensbeichte.“

Christa Wolf ist nach acht Autoren die erste Frau, die die mit 12.500 Euro dotierte Auszeichnung erhielt. Im Oktober wird sie in Lübeck zudem mit dem mit 25.000 Euro dotierten Thomas-Mann-Preis geehrt.

Das Eintreten Wolfs für ihre Ideale in der DDR sei noch heute beispielgebend, erklärte Hein. „Sie hat einen Staat verteidigt, an den sie damals glaubte.“ Als diese Ideale brüchig wurden, habe Wolf im Zentralkomitee der SED der amtlichen Meinung widerstanden. „Das kommt auch in der Demokratie selten vor“, sagte Hein mit Blick auf die Gegenwart und das 20-jährige Jubiläum der Wiedervereinigung. Als einen Knackpunkt in ihrer Haltung zum SED-Staat bezeichnete Wolf schon früher ihren Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns durch die DDR-Führung Mitte der 1970er Jahre.

„Unser aller Leben ist abhängig von Koordinaten, die wir nicht beeinflussen können“, erklärte Hein. „Das Jahrhundert, das Vaterland und das Elternhaus entscheiden viel für das Leben.“ Wolfs Familie war bei Kriegsende 1945 mit einem Flüchtlingstreck im Westen Mecklenburgs angekommen, der erst amerikanisch und danach von der Sowjetarmee besetzt wurde. In ihrem Buch stellt sie auch die Frage „Was wäre gewesen, wenn ich im Westen gelandet wäre?“

Die 81-Jährige zeigte sich am Freitagabend tief berührt von Heins Worten. Sie habe Uwe Johnson, der vier Jahre jünger als Wolf war, zwischen 1974 und 1983 mehrfach getroffen. Sein Roman „Jahrestage“, in dem Johnson das Leben einer mecklenburgischen Familie beschreibt, sei mit unglaublicher Präzision geschrieben. „Er gab uns zu denken.“

Der Uwe-Johnson-Preis wird von der Tageszeitung „Nordkurier“ und der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft (MLG) alle zwei Jahre im Wechsel mit einem Förderpreis an einen deutschsprachigen Autor vergeben. Die Auszeichnung erinnert an den Schriftsteller Uwe Johnson (1934-1984), der als einer der bedeutendsten Erzähler des 20. Jahrhunderts in Deutschland gilt. Johnson, dessen Vater in die Sowjetunion deportiert wurde und dort starb, verließ 1959 die DDR. Er starb 1984 in England. (mas)

Internet
Mecklenburgische Literaturgesellschaft

Orte
Preisverleihung: Schauspielhaus, 17033 Neubrandenburg
Literaturgesellschaft: Wiekhaus 21, 17033 Neubrandenburg


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