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Grass: Verbrechen an Armeniern anerkennen

„Die Vergangenheit holt uns immer wieder ein“, sagte Grass in Istanbul

© Die Berliner Literaturkritik, 16.04.10

ISTANBUL (BLK) - Der deutsche Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass hat die Türkei aufgefordert, die im Ersten Weltkrieg an Armeniern begangenen Verbrechen anzuerkennen. Dies sei der zurzeit wichtigste Schritt des Landes in Richtung Europa, sagte Grass am Mittwoch (14.4.) in Istanbul. „Wann ist es soweit, dass das Verbrechen bei der Vernichtung der Armenier 1915/16 als Tatsache anerkannt wird“, sagte Grass. Nach Schätzungen kamen bis zu 1,5 Millionen Armenier im Osmanischen Reich ums Leben. Allerdings bestreitet die türkische Regierung mit aller Schärfe, dass es sich um einen Genozid gehandelt habe.

„Die Vergangenheit holt uns immer wieder ein“, sagte Grass, der eine gemeinsame Pressekonferenz mit dem türkischen Schriftsteller Yasar Kemal gab. Als junger Mann habe auch er erste Berichte über Verbrechen des Nazi-Regimes als Propaganda abgetan. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, an einer solchen Last der Vergangenheit zu tragen wie der deutschen Verbrechen.“ Die Türkei müsse ihre Tabu-Sperre durchbrechen. Dieser Prozess sei nicht aufzuhalten und Voraussetzung einer Versöhnung mit den Armeniern.

„Wir warten darauf, dass die Türkei zu Europa gehört und wir über diese Dinge sprechen können, nicht als Tabu“, sagte Grass. Dokumente zu den an Armeniern begangenen Verbrechen seien auch aus deutschen Quellen „nachprüfbar und unabweisbar“. Dass die Forderung nach Anerkennung der Verbrechen politische Bemühungen um eine Versöhnung mit Armenien störe, halte er für eine „Scheinbehauptung“. Es sei Zeit für eine Entschuldigung gegenüber Armenien und den in der Türkei lebenden Armeniern.

Die Türkei lehnt die Übernahme der historischen Verantwortung für die Ermordung von bis zu 1,5 Million Armeniern und Angehörigen anderer ethnischer Minderheiten im Osmanischen Reich ab. Die Armenier hätten an der Seite des Kriegsgegners Russland gestanden, hieß es immer wieder zur Erklärung in Ankara. Auch mit verbündeten Staaten hat sich die Türkei mehrfach um die Bewertung der Massaker gestritten. Grass ist in der Türkei, um ein Projekt des Goethe- Institutes für den Kulturaustausch zu begleiten. (dpa/dan)


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