FRANKFURT AM MAIN (BLK) – Bei der Bewältigung der Finanzkrise müssen nach Ansicht von Günter Grass auch die Bankmanager „zur Kasse gebeten“ werden. Die Rechnung dürfe nicht allein der Steuerzahler übernehmen, sagte der Literaturnobelpreisträger am Freitag (17. Oktober) auf der Frankfurter Buchmesse. Bezahlt werde die Krise aber vor allem von den Menschen in der Dritten Welt. Politikern und Feuilletons warf er vor, nach jahrelangem „Neoliberalismusgequatsche“ mit dem Ruf nach dem Staat als Retter zu „Wendehälsen“ geworden zu sein. „So kompakt ist selten geheuchelt worden wie gegenwärtig.“ Grass, der dieses Jahr das autobiografische Werk „Box“ über seine Familie publizierte, forderte jüngere Autoren auf, sich mehr gesellschaftlichen Fragen zu stellen.
Scharf ging Grass mit Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ins Gericht, der mit seiner Kritik am Fernsehen in den vergangenen Tagen für Furore sorgte. „Er kritisiert das, was auf ihn selber zutrifft.“ Reich-Ranicki habe einst in seiner ZDF-Sendung „Literarisches Quartett“ die Literaturkritik „trivialisiert“. „Mit großem Geschrei“ habe er dort eine „Ein-Mann-Show“ inszeniert. Grass bedauerte, dass Reich-Ranicki in den Medien als „rohes Ei“ behandelt werde und ihm Kritik erspart bleibe. (dpa/mir)