BERLIN (BLK) - Mit einer Lesereise in Ostdeutschland und mehreren jungen Schriftstellern wird Literaturnobelpreisträger Günter Grass (81) im September Wahlkampf für die SPD machen. Wie Klaus-Jürgen Scherer, Geschäftsführer des Kulturforums der Sozialdemokratie in Berlin, am Montag mitteilte, werde Grass seine Lesereise voraussichtlich am 8. September in Neuenhagen beginnen. Es folgen Stationen in Eberswalde, Stralsund, Halle an der Saale, Dresden und in der Berliner Kulturbrauerei. Im Mittelpunkt seiner Reise dürfte sein in diesem Jahr veröffentlichtes erzählerisches Tagebuch von 1990 stehen mit dem „Unterwegs von Deutschland nach Deutschland“. Auch mit Wahlkampfreden sei zu rechnen, sagte Scherer.
Schon Anfang Juli hatte Grass angekündigt, sich vor allem für Regionen mit großem Bevölkerungsschwund einsetzen zu wollen. Er nannte damals die Uckermark. Markus Meckel, innenpolitischer Sprecher der SPD, bestätigte nun, dass Grass am 9. September in seinem Wahlkreis auftreten wird — allerdings nicht wie angekündigt in der Uckermark, sondern in Eberswalde. Musikalisch soll Grass’ Auftritt im Osten Brandenburgs von Johann Jürgens vom Berliner Maxim Gorki Theater untermalt werden, sagte Meckel, der 1990 Außenminister der DDR war.
Er freue sich auf das Zusammentreffen und die Gespräche mit Grass, sagte Meckel. Beide, Grass und Meckel, hätten sehr verschiedene Ansichten über den Erfolg der Wiedervereinigung. Anfang Juli sagte Grass, dass vor allem in der Uckermarck, Meckels Wahlkreis, die Fehler der Deutschen Einheit offen zu Tage treten. Die Rückkehr des Literaturnobelpreisträgers in die SPD, sei derzeit kein Thema, sagte Meckel. Man freue sich vor allem, dass er sich wieder für die Partei stark machen wolle.
Ende 1992 trat Grass aus Protest gegen die Asylpolitik der Sozialdemokraten aus der SPD aus. Erst wenn das wieder in Ordnung gebracht werde, trete er wieder ein, hatte Grass gesagt. In der Vergangenheit hat sich der Schriftsteller trotzdem immer wieder als Wahlkämpfer für die SPD eingesetzt. (rud/ber)