BERLIN (BLK) — Der Autor und Dramatiker Eugen Ruge ist mit dem Alfred-Döblin-Preis 2009 ausgezeichnet worden. Die in diesem Jahr mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde ihm am Sonntag in der Berliner Akademie der Künste vom Literaturnobelpreisträger Günter Grass als Preisstifter überreicht. Ruge erhielt den Döblin-Preis für sein erstes Romanmanuskript „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ - ein Epochenroman, der aus der Sicht verschiedener Generationen einer Familie erzählt wird.
Darin werde „mit Dialogkraft, grimmigem Humor und der kunstvollen Fähigkeit zur episodischen Verdichtung ein großer Bogen deutscher Historie geschlagen“, heißt es in der Begründung der Jury. Ruge wurde nach einer Lesung mehrerer Mitbewerber am Vorabend im Literarischen Colloquium am Wannsee ausgewählt. Nominiert waren neben Ruge die Autoren Volker H. Altwasser, Zsuzsa Bánk, Thomas Hettche, Harriet Köhler und Michael Roes. Der Alfred-Döblin-Preis wird für ein längeres Prosamanuskript vergeben, das sich noch in Arbeit befindet.
Der 1954 im russischen Sosswa am Ural geborene Ruge ist bislang als Theater-, Hörspiel- und TV-Autor bekannt und arbeitet auch als Übersetzer aus dem Russischen, vor allem von Tschechow-Texten. Nach einem Mathematikstudium und einem Diplom an der Berliner Humboldt-Universität ist er seit 1989 als Autor vor allem für Theater, Hörfunk und Film tätig. Ruge arbeitete früher auch für die staatliche DDR-Filmgesellschaft DEFA sowie im „Theater im Palast“ in dem inzwischen abgerissenen Ost-Berliner Palast der Republik.
Zu seinen bekanntesten Theaterarbeiten gehören Stücke wie „Vom Umtausch ausgeschlossen“ (Anselm Weber), „Restwärme“ (Eugen Ruge) und „Akte Böhme“, das 2001 unter der Regie von Andreas Dresen am Schauspiel Leipzig uraufgeführt worden ist.
Der Alfred-Döblin-Preis wurde 1979 von Grass in Erinnerung an sein großes literarisches Vorbild, den Verfasser des Romans „Berlin Alexanderplatz“, ins Leben gerufen. Auf der Veranstaltung in der Akademie am Pariser Platz lasen Grass sowie Michael Kumpfmüller und Karin Kiwus auch aus dem von Grass im März herausgegebenen Alfred-Döblin-Lesebuch.
Damit sollte zugleich an den 1957 gestorbenen großen Autor der literarischen Moderne erinnert werden, dessen Werk seit dem vergangenen Jahr beim S.Fischer Verlag in einer Neuausgabe erscheint. Zu den früheren Döblin-Preisträgern gehörten unter anderem Michael Kumpfmüller, Josef Winkler, Einar Schleef, Gerhard Roth, Libuse Monikova und Jan Faktor. (dpa/mül)