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Gottschalk nach Reich-Ranicki-Gespräch: Es ändert sich nichts

Jury des Fernsehpreises verteidigt die Auswahl der Preisträger

© Die Berliner Literaturkritik, 17.10.08

 

HAMBURG (BLK) – TV-Moderator Thomas Gottschalk erwartet keine Änderungen im deutschen Fernsehen als Folge der von Marcel Reich- Ranicki ausgelösten Qualitätsdiskussion. Nach seinem Gespräch mit dem Literaturkritiker, das am Mittwoch (15. Oktober) für das ZDF aufgezeichnet wurde, sagte er der „Bild“-Zeitung (Freitag, 17. Oktober): „Diskussion ist immer gut. Das Streben nach Verbesserung ebenfalls. Aber es endet, wie es immer endet. Jeder hat seine Meinung gesagt und die Karawane zieht weiter. Ändern wird sich gar nichts.“

In dem 30-minütigen Gespräch, das das ZDF am Freitagabend (17. Oktober, 22.30 Uhr) unter dem Titel „Aus gegebenem Anlass“ ins Programm genommen hatte, bekräftige Reich-Ranicki (88) seine harsche Kritik am Fernsehen. Gottschalk (58): „Er blieb dabei. Seine Alternative zum ‚Blödsinn’, den er im Fernsehen bemängelt, ist die Verfilmung von Shakespeare. So kommen wir nicht weiter. Solange die Quote entscheidet, was erfolgreich ist, werden wir das Fernsehen behalten, das wir haben. Und so schlecht ist das nun auch wieder nicht. Wer was Vernünftiges sucht, der findet es.“

Reich-Ranicki habe keine Lieblingssendungen im Fernsehen, „weil er nicht fernsieht. Und wenn er mal einschaltet, sieht er eine Karawane des Schreckens an sich vorbeiziehen.“ Gottschalk: „Ich sehe die gleiche Karawane, aber bin weniger schreckhaft. Außerdem bin ich eines der Kamele. Entweder latsche ich mit oder ich ende in der Wüste.“

Ungewöhnlich scharfe Kritik an Reich-Ranicki äußerte am Freitag (17. Oktober) der Literaturnobelpreisträger Günter Grass. Auf der Frankfurter Buchmesse sagte er: „Er kritisiert das, was auf ihn selber zutrifft.“ Reich-Ranicki habe einst in seiner ZDF-Sendung „Literarisches Quartett“ die Literaturkritik „trivialisiert“. „Mit großem Geschrei“ habe er dort eine „Ein-Mann-Show“ inszeniert. Grass bedauerte, dass Reich-Ranicki in den Medien als „rohes Ei“ behandelt werde und ihm Kritik erspart bleibe.

Die Jury des Deutschen Fernsehpreises, dessen Ehrenpreis Reich- Ranicki am vergangenen Samstag (11. Oktober) mit Worten wie „Blödsinn“ abgelehnt hatte, verteidigte die Entscheidungen bei der Preisvergabe. Jury-Mitglied Klaudia Wick sagte am Freitag (17. Oktober) im Deutschlandradio Kultur, es sei schwierig, auf so einen Generalangriff zu reagieren. Bei der Preisverleihung habe eine „honorige Jury“ entschieden, die vorher 1.200 Stunden Fernsehen angesehen hätten, sagte Wick. So habe die Abschlussshow der RTL-Produktion „Deutschland sucht den Superstar“ die Auszeichnung als beste Unterhaltungsshow verdient, nicht dagegen die vorangegangenen umstrittenen Casting-Shows.

„Wenn ich mir ‚Wetten, dass...?’ angucke, was ein öffentlich-rechtliches Programm ist, habe ich das Gefühl, diese Show hat Längen. Das habe ich bei ‚Deutschland sucht den Superstar’ nicht“, sagte Wick. Über das Gespräch zwischen Gottschalk und Reich-Ranicki meinte sie: „Vielleicht springt ja für Thomas Gottschalk auch ein Preis im nächsten Jahr beim Fernsehpreis heraus, als Moderation für beste Unterhaltung. Das ist auch eine Kategorie, die wir haben.“

Bereits am Vortag hatte die Jury des Fernsehpreises in einer Erklärung betont: „’Qualität’ meint in einem Fernsehfilm etwas anderes als in einer Fernsehshow, ist in einer Auslandsreportage etwas anderes als in einer Comedy. Das Gute zeigt sich eben nicht allein im Ernsten und Erhabenen, sondern zuweilen auch in intelligent unterhaltendem ‚Blödsinn’.“ (dpa/mir)

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