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Frauen erforschen die Welt

„Verwegene Frauen“ von Lorie Karnath

© Die Berliner Literaturkritik, 08.02.10

Von Theresa Münch

Immer sind es Männer: Der erste Mensch auf dem Mond, Weltumsegler, Wissenschaftler, die Entdecker der neuen Welt Amerika. Christoph Kolumbus ist berühmt. Doch wer spricht von Gudrídur Thorbjarnardóttir, der furchtlosen Wikingerin, die immerhin 500 Jahre vor Kolumbus den neuen Kontinent betrat? oder von Annie Smith Peck, die mit 82 Jahren noch den Mount Madison bestieg. In ihrem Buch „Verwegene Frauen“ berichtet die selbst viel gereiste Forscherin Lorie Karnath von weiblichem Entdeckergeist unter schwierigsten Bedingungen.

Als wären Weltumrundungen, Polarexpeditionen und wissenschaftliche Entdeckungsreisen nicht Herausforderung genug: Die Abenteurerinnen der ersten Stunde mussten zunächst ganz andere Hürden überwinden. Die Französin Jeanne Baret verkleidete sich 1766 als Mann, um an einer Pflanzenexpedition nach Tahiti teilzunehmen. Pech nur, dass die Tahitianer, mit der westlichen Kleiderordnung nicht vertraut, ihr Spiel direkt durchschauten. Baret kehrte nach Frankreich zurück – als erste Frau, die nachgewiesenermaßen um die Welt gesegelt war.

Schon zu Pionierzeiten gab es kaum Grenzen des weiblichen Entdeckergeistes. Die mutige Isländerin Gudrídur Thorbjarnardóttir war nicht nur die erste Frau, die in der Neuen Welt Amerika ein Kind europäischer Abstammung zur Welt brachte. Sie durchquerte ganz Europa zweimal zu Fuß und nahm an acht weiteren Schiffsreisen teil. Seefahrerin Grace O'Malley finanzierte ihre Reisen sogar als gefürchtete Piratin in der irischen See.

In „Verwegene Frauen“ hat Autorin Karnath, die selbst zahlreiche Expeditionen leitete und Präsidentin des berühmten „Explorers` Club“ ist, die packendsten Geschichten weiblicher Entdecker zusammengestellt. Sie beginnt bei den Pionierinnen der Wikingerzeit, schreibt über Amelia Earhart, die fünf Jahre nach Charles Lindbergh als erste Frau den Atlantik im Alleinflug überquerte. Karnath berichtet von gefährlichen Polexpeditionen, erzählt von Dian Fossey und ihren Berggorillas oder Hai-Lady Eugenie Clark. Auch die erste Frau im Weltraum, die russische Kosmonautin Walentina Wladimirowna Tereschkowa darf in der Sammlung nicht fehlen.

„Verwegene Frauen“ beweist, dass die Annalen der Forscherinnen und Entdeckerinnen so lang sind, wie die Geschichte der Menschheit selbst. Und dennoch begegnet man darin vielen neuen Namen und packenden, bislang selten erzählten Geschichten. Besonders beeindruckend scheint die Zeit der Pionierinnen, die in Unterröcken die höchsten Berge bestiegen oder als „Schneebaby“ in einer Inuit-Gemeinde in der Arktis aufwuchsen. Karnath zeigt deutlich, dass Frauen für dieselbe Forschung oft ungleich mehr leisten mussten, als ihre so berühmt gewordenen männlichen Kollegen. So ist „Verwegene Frauen“ eine Hommage an die vielleicht kühnsten Entdecker(innen) der Welt und ein spannendes Stück Forschungsgeschichte.

 

Literaturangabe:

KARNATH, LORIE: Lorie Karnath: Verwegene Frauen. Herbig Verlag, München 2009. 213 S., 22,95 €.

Weblink:

Herbig Verlag

 


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