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Fotoausstellung von Gerhard Roth in Wien

Fotoaufnahmen ein „Zwischenstadium zum Schreiben“

© Die Berliner Literaturkritik, 09.04.10

Von Lena Werner

WIEN (BLK) – Als „ein vom Schreiben im besten Sinne Besessener“, so bezeichnet sich Gerhard Roth gern selbst. Der österreichische Schriftsteller und Drehbuchautor hat mehr als 44 Romane, Erzählungen, Dramen, Essays und Drehbücher veröffentlicht. Mit seiner Autobiografie „Das Alphabet der Zeit“ konnte er 2007 viele Kritiker begeistern.

Doch Gerhard Roth kann mehr als Schreiben, er ist auch ein leidenschaftlicher Fotograf. Seit mehr als 20 Jahren erkundet der Österreicher schreibend und fotografierend die Hauptstadt. Seine Essaybände „Eine Reise in das Innere von Wien“ (1991) und „Die Stadt“ (2009) wurden gefeierte Bestseller und zeichnen sich beide dadurch aus, dass der Autor hinter die glänzende Fassade Wiens geblickt und die menschlichen Abgründe der Stadt genauesten dokumentiert hat.

Die von ihm besuchten und festgehaltenen Orte waren stets von ungewöhnlicher und für den normalen Bürger vor allem von unbekannter Natur: Gerhard Roth besuchte die Katakomben der Stadt, das ehemalige Judenviertel in der Leopoldstadt, die psychiatrische Anstalt Gugging, die Sammlung anatomischer Wachsmodelle des Josephinums, den Zentralfriedhof und viele weitere düstere und geschichtsträchtige Orte. Stetige Leitmotive dabei waren Vergänglichkeit und Tod, die Rolle der Außenseiter und Vergessenen und besonders der Blick hinter die glitzernden Kulissen eine Großstadt.

Im Laufe der Jahre entstand ein großes Archiv von Gerhard Roths so genannten „Fotonotizen“ mit mehreren zehntausenden Aufnahmen. Unter dem Namen „Im unsichtbaren Wien“ präsentiert das Wienmuseum vom 11. Februar bis 16. Mai 2010 nun eine Fotoausstellung des Autors. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den Wien-Aufnahmen, die zwischen 1986 und 2009 entstanden sind, eine Auswahl von rund 1.500 Bildern. Gerhard Roth bezeichnet diese Fotoaufnahmen als ein „Zwischenstadium zum Schreiben“.

Die Präsentation der Bilder im Museum ist schlicht gehalten. Der Großteil der Fotos ist im Format von 10 x 15 zu begutachten, was betonen soll, dass es sich bei Roths Aufnahmen nicht um „schöne“ Fotografie handelt, sondern dass seine Bilder als Schreibersatz, als Erinnerungshilfe dienen. Es sei eine gute Idee, „Bilder, die Fußnoten zu meinem Schreiben sind, auch als solche zu zeigen“, findet der Österreicher.

„Die Kamera war anfangs nichts anderes als ein Erinnerungsspeicher außerhalb meines Kopfes, der Fragmente aus einem Bilderstrom festhielt. Am liebsten war mir, wenn das Fotografieren so geschah wie das Gehen: automatisch, unkompliziert, einfach, nebenbei“, sagt Gerhard Roth über sein Vorgehen beim Fotografieren.

Diese Einfachheit findet man in seinen Bildern wieder. Beim Betreten der Ausstellung fühlt man sich wie in einem überdimensionalen Fotoalbum. Große Fotografie kann man hier nicht finden und auch nach grafischen Spezialeffekten sucht man vergebens. Doch allein die Motive, die vergessenen, verborgenen, „unsichtbaren“ Orte und ihre Geschichte, reichen aus, um die Aufmerksamkeit jedes Betrachter zu fesseln.

Wien Museum, Maderstraße 2, 1040 Wien, 11.Februar 2010 bis 16.Mai 2010

Weblink:

Wien Museum


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