ERLANGEN (BLK) – Comics aus Deutschland sind wieder zunehmend gefragt – trotz der ungebrochenen Nachfrage nach asiatischen Mangas. Es gebe inzwischen eine ganze Reihe deutscher Zeichner, die mit ihren Comics Erfolge feierten, berichtete die Sprecherin des Internationalen Comic-Salons, Christina Walz, am Donnerstag (22. Mai 2008) zum Auftakt des größten deutschen Comic-Festivals. „Es gibt wieder eine Tendenz, sich auf einheimische Zeichner zu konzentrieren“, sagte die Comic-Expertin der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Bei dem Festival werden rund 300 Comic-Künstler aus aller Welt erwartet.
Der bis Sonntag (25. Mai 2008) dauernde Comic-Salon startete am Donnerstag (22. Mai 2008) mit einem starken Publikumsandrang. „So voll war der Comic-Salon noch nie. Wir sind völlig überrannt worden“, berichtete Walz. Konkrete Besucherzahlen konnte sie jedoch nicht nennen. Vor allem Familien mit Kindern und Teenager seien dieses Mal stark vertreten. Viele Erlanger seien offenbar durch die am Mittwoch (21. Mai 2008) eröffnete Schlumpf-Ausstellung auf dem Schlossplatz auf den Comic-Salon aufmerksam geworden.
Als neuen Trend auf dem Comic-Mark sieht Walz die sogenannten Graphic Novels (Comic im Buchformat). Statt auf den sonst üblichen 48 Seiten erschienen Graphic Novels als dicke Comicbände, die mit Bildern einen ganzen Roman erzählen. Der aus Nordamerika stammende Trend sei inzwischen auch von deutschen Comic-Verlagen aufgenommen worden. Er biete auch deutschen Zeichnern eine Chance. Als Beispiel nannte sie die im Carlsen Verlag erschienene Johnny-Cash-Biografie im Graphic Novel-Format des deutschen Graphik-Designers Reinhard Kleist.
Die Mangas, die in den vergangenen Jahren Comic-Verlagen einen regelrechten Boom beschert hatten, stagnieren nach Einschätzung von Walz inzwischen auf hohem Niveau. Nach zehn Jahren Boom hätten sich die wirklichen guten Manga-Zeichner herauskristallisiert, schlechte seien rausgefallen. Auch beschränke sich die Mangaproduktion nicht mehr allein auf Japan. „Das Ganze hat sich ins Ostasiatische verbreitert. Es gibt jetzt Mangas aus China, Taiwan und Indonesien“, berichtete die Expertin.
Während des viertägigen Comic-Salons präsentieren rund 150 Aussteller ihr neuestes Verlagsprogramm. In 20 Ausstellungen sind außerdem mehr als 2000 Comic-Zeichnungen zu sehen. China und die unterschiedlichen Facetten und Stilarten der chinesischen Comic-Kunst bilden in diesem Jahr einen Schwerpunkt des Festivals. 20 Künstler aus China zeigen das Leben junger Menschen in ihrer Heimat im Spiegel der zeitgenössischen Comics. Darunter sind auch die in Deutschland bereits bekannteren Stars Pocket Chocolat und Benjamin.
Eine besondere Ausstellung erinnert an den vor 100 Jahren gestorbenen „Urvater des Comics“, Wilhelm Busch („Max und Moritz“). Außerdem stellt das Festivals die jungen französischen Zeichner des „Nouvelle Bande Dessinée“ vor. Im Rahmen des Festivals wird an diesem Freitag der diesjährige Max und Moritz-Preis verliehen. Der britische Comic-Szenarist Alan Moore („V für Vendetta“) bekommt die undotierte Comic-Auszeichnung für sein herausragendes Lebenswerk. Die beiden deutschen Comic-Zeichner Hansrudi Wäscher und Hannes Hegen werden mit einem Sonderpreis für ihre Pionierleistungen um den deutschen Comic in Ost und West ausgezeichnet. (dpa/wip)