INNSBRUCK (BLK) – Didier Goupils Roman „Endstation Ritz ist im Februar 2008 im Haymonverlag erschienen.
Klappentext: Eindringlich und schnörkellos erzählt der französische Autor Didier Goupil das bewegte Leben von „Madame“, die ihren Lebensabend verschwenderisch und weltabgewandt im mondänen Pariser Hotel Ritz zubringt.
Im Paris des Fin de siècle aufgewachsen, lebt sie in den 1930er-Jahren das sorgenfreie Leben einer großbürgerlichen Kunstliebhaberin. Vom eigenen Mann, einem Kollaborateur und politischen Opportunisten, an die Nazis verraten, wird sie ins Konzentrationslager deportiert. Nach der Befreiung kehrt sie nach Paris zurück, wo niemand ihre schicksalhafte Geschichte hören will. Ruhelos und gebrochen flüchtet sie vor ihrer Vergangenheit von Hotel zu Hotel, lässt die Bruchstücke ihrer Identität hinter sich, um schließlich namenlos als „Madame“ im Ritz einen Zufluchtsort zu finden. Die Leerstellen, die ihre schmerzhafte Vergangenheit und die einsame Flucht hinterlassen haben, versucht sie mit einem Leben in Luxus zu füllen, doch die traumatische Erinnerung an den Verrat bleibt stärker.
Didier Goupil wurde 1963 in Paris geboren, lebt in Toulouse. Autor, Dramaturg, Drehbuchautor und Lehrer. Prosaveröffentlichungen seit 1995. Für sein erstes Werk, den Erzählband „Maleterre“, erhielt er den Prix Thyde Monnier de la Société des Gens de Lettres und den Prix Cino del Duca. „Endstation Ritz“, erschienen unter dem Titel „Femme du Monde“, Éditions Balland 2001, Neuauflage Le Serpent à Plumes 2003, ist seine erste Übersetzung ins Deutsche. (fri/wip)
Leseprobe:
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Anschließend lässt sie ihr Bad ein. Alles ist für sie erträglich – der dunkelste Himmel, die erdrückendste Stimmung – vorausgesetzt, sie hat eine Badewanne zur Verfügung. Sich zu duschen hingegen würde ihre Kräfte übersteigen. Madame erinnert sich an viele Geschichten mit Badewannen. Einmal, in Usbekistan, musste sie eine vom Ende der Welt kommen lassen, aus der fernen Hauptstadt Taschkent, und die Wanne musste durch die endlose Steppe transportiert werden. Ein anderes Mal hatten ihre Freunde, nachdem es nach einem Gewitter in der Villa keinen Strom gab, Holz verbrannt, um ihr Badewasser zu erhitzen, und dann das wunderbare Behältnis mit großen Kerzen beleuchtet. Madame wird es nicht müde, diese Geschichten zu erzählen. Meist ist sie die Erste, die darüber lacht.
Manchmal die Einzige.
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Literaturangaben:
GOUPIL, DIDIER: Endstation Ritz. Roman. Übersetzt aus dem Französischen von Ines Schütz. Haymon, Innsbruck 2008. 104 S., 14,90 €.
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