Von Christine Körner
Die französische Bestsellerautorin Anna Gavalda hat mit „Ein geschenkter Tag“ ein seichtes Buch über ein familiäres Wiedersehen geschrieben. Sie erzählt in ihrem neuen Roman von vier Geschwistern, die nach langem durch eine Familienfeier, ähnlich wie in ihrer Kindheit, wieder Zeit miteinander verbringen können.
An einem Sommertag wird Garance von ihrem Bruder Simon und dessen Frau zu der Hochzeitsfeier eines entfernten Verwandten mitgenommen. Kaum ist sie im Auto, gerät sie mit ihrer Schwägerin Carine aneinander. Zu verschieden sind die beiden Frauen und zu weit gehen scheinbar ihre Vorstellungen vom Leben auseinander. Unterwegs lesen sie dann auch noch spontan, trotz aller Einsprüche von Carine, die frisch geschiedene Schwester Lola am Bahnhof auf. Auf der Hochzeitsfeier fehlt dann nur noch der vierte im Bunde, ihr Bruder Vincent. Als die drei Geschwister erfahren, dass er nicht kommen würde, beschließen sie deswegen kurzerhand reiß aus zu nehmen, um ihn zu besuchen.
Anna Gavalda erzählt mit viel Humor von Kindheit und Erwachsenwerden, von einem letzten Eintauchen und Nachspüren alter Zeiten. In schnellen, witzigen Dialogen weiß sie den Leser hervorragend zu unterhalten. Das Thema weckt jedoch auch vielleicht Hoffnungen auf ein paar spannendere Details, interessante Gedanken, Ideen oder Erfahrungen, die sie jedoch nicht mit in die Geschichte einbringt.
Dadurch plätschert sie schließlich nur seicht dahin, man erfährt ein paar Eckdaten zu den Charakteren und hat seine Freude an kleinen Episödchen aus deren Leben. Ansonsten liest man jedoch außer über Garance’ Kleidungsstil und Lolas Schminkgewohnheiten recht wenig, um sich die amüsanten Damen tatsächlich vorstellen zu können. So muss man sich den Einband auch immer wieder anschauen, will man sich in die französische Landschaft oder in die sommerliche Atmosphäre hineinversetzt fühlen. Und so kann man Gavaldas sprachlichen und erzählerischen Fähigkeiten nur stellenweise erahnen.
Anna Gavalda wuchs selbst auch mit drei jüngeren Geschwistern auf dem Land auf, später studierte sie Literatur in Paris. Bereits mit ihrer ersten Veröffentlichung, dem Erzählband „Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet“, wurde sie 1999 auf einen Schlag berühmt und erhielt dafür die Auszeichnung Grand Prix RTL-Lire. Ihr erster Roman „Ich habe sie geliebt“ wurde 2009 verfilmt. Die 39jährige Mutter von zwei Kindern lebt heute in der Nähe von Paris und schreibt auch neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin für die internationale Frauenzeitschrift „Elle“.
Literaturangabe:
GAVALDA, ANNA: Ein geschenkter Tag. Übersetzt aus dem Französischen von Ina Kronenberger. Carl Hanser Verlag, München 2010. 128 S., 12,90 €.
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