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Deutschland bietet bedrohten Autoren Schutz

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hebt deutsche Verantwortung hervor

© Die Berliner Literaturkritik, 20.11.08

 

BERLIN (BLK) – Deutschland hat nach den Worten von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) eine besondere Verpflichtung, sich für verfolgte Schriftsteller einzusetzen. Das gebiete allein schon die deutsche Vergangenheit, sagte Neumann am Mittwoch (19. November) auf einer Festveranstaltung in Berlin zum 60. Jahrestag der Wiedergründung des Deutschen PEN-Zentrums.

Aus dieser Verantwortung heraus habe die Bundesregierung auch gemeinsam mit dem Deutschen PEN-Zentrum vor fast zehn Jahren das weltweite Programm für bedrohte Schriftsteller „Writers in Exile“ ins Leben gerufen, um ihnen vorübergehend in Deutschland eine sichere Heimat zu bieten. Gegenwärtig würden sechs Autoren diesen besonderen Schutz genießen. Neumann würdigte im Max-Liebermann-Haus am Brandenburger Tor das Engagement der Schriftstellervereinigung, die öffentliche Aufmerksamkeit unentwegt auf diejenigen zu richten, „die zum Schweigen gebracht werden sollen“. So dürfe es nicht hingenommen werden, „wenn Autoren in Lagern gequält, nur unter Polizeischutz arbeiten können oder sogar wie der italienische Schriftsteller Roberto Saviano mit dem Tode bedroht werden“.

Seit nunmehr 60 Jahren seit seiner Wiedergründung setze sich das Deutsche PEN-Zentrum mit seinen heute 700 Mitgliedern für die uneingeschränkte Freiheit des Wortes ein, sagte Neumann. „Ein Blick in die Welt zeigt uns, wie weit wir von diesem Ziel immer noch entfernt sind, wobei wir auch Teile Europas leider nicht ausnehmen können.“ Die Initiative „Writers in Exile“ (Schriftsteller im Exil) wird seit 1999 von der Bundesregierung jährlich mit 300.000 Euro unterstützt. Bedrohte Schriftsteller und Journalisten können mit Hilfe dieses Projekts vorübergehend in Deutschland leben und arbeiten.

Der Präsident des PEN-Zentrums Deutschland, Johano Strasser, mahnte die Autoren, Männer und Frauen wie zum Beispiel die iranische Menschenrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi nicht im Stich zu lassen und „ihnen die Solidarität zukommen zu lassen, die sie verdienen“. Gleichzeitig kritisierte Strasser die islamische Menschenrechtserklärung der Arabischen Liga von 2004 als „Ausdruck eines ideologischen Monopolanspruchs, der angesichts des täglich erfahrbaren kulturellen Pluralismus – auch in den islamischen Gesellschaften – völlig abwegig erscheint“.

Strasser beklagte ein „erheblich verringertes Ansehen der Schriftsteller“ in gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen, vom „einstigen Selbst- und Sendungsbewusstsein der Schriftsteller und Intellektuellen“ sei „nicht viel übrig geblieben“. Der Intellektuelle als „Citoyen, als Mahner oder gar als Weltgewissen“ erscheine unzeitgemäß. Künstler insgesamt und Schriftsteller im besonderen könnten sich heute „nicht mehr als Avantgarde im klassischen Sinne verstehen“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich auf einer Tagung vom 18. bis 20. November 1948 in Göttingen der deutsche PEN neu konstituiert. Vereinssitz ist heute Darmstadt. Ein Thema der Jubiläumstagung in Berlin lautete „Schriftsteller in der digitalen Welt – Urheber und ihre Rechte“. Der PEN-Club ist als weltweiter Zusammenschluss von Autoren aller Sparten, Herausgebern und Übersetzern 1921 in London entstanden. Die Abkürzung wurde aus den englischen Wörtern Poets, Essayists und Novelists gebildet. Heute gibt es 145 nationale PEN- Zentren in mehr als 100 Ländern auf allen Kontinenten. (dpa/mir)


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