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Der Mann in Weiß

Bestsellerautor Tom Wolfe wird 80

© Die Berliner Literaturkritik, 01.03.11

Von Gisela Ostwald

NEW YORK (BLK) - Tom Wolfe versteht sich auf menschliche Schwächen. In seinem Romandebüt „Fegefeuer der Eitelkeiten“ beschrieb der US-Schriftsteller die Geldgier von Wall-Street-Bankern und Kredithaien 1987 schon ganz so, als wolle er den Einbruch der Finanzmärkte rund 20 Jahre später ankündigen. Das Buch wurde ein Welterfolg und mit Tom Hanks, Melanie Griffith und Bruce Willis verfilmt. An diesem Mittwoch (2. 3.) wird der Bestsellerautor 80 Jahre alt.

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2012 soll „Back to Blood“ erscheinen, Wolfes vierter Roman. Nach Angaben der „New York Times“ erwartet den Autor ein Sieben-Millionen-Dollar-Honorar für den nächsten Schmöker über Familie, Gesellschaft, Wohlstand, Korruption, Verbrechen und Sex. Davor feiert der Wahl-New-Yorker aber noch seinen runden Geburtstag.

Für die Großen der amerikanischen Literatur, Norman Mailer und John Updike, fließt „Massenunterhaltung, aber keine Literatur“ aus Tom Wolfes Feder. Auch John Irving lästerte schon über die „Geschwätzigkeit“ seines Kollegen und erklärte sich unfähig, Wolfes ersten Roman zu Ende zu lesen. Doch „Mister Zeitgeist“, wie New York den Südstaaten-Dandy nennt, pfeift ganz offensichtlich auf das Urteil des literarischen Establishments.

Der in Richmond (US-Bundesstaat Virginia) geborene Journalist, Sachbuch- und Romanautor stammt aus einer reichen Professoren- und Plantagenbesitzer-Familie. Seine Mutter führte ihn in die Künste ein, ließ den kleinen Tom in Ballett- und Stepptanz ausbilden, zeichnete und las viel mit ihm. Kaum neun, soll der Junge versucht haben, eine Biografie von Napoleon sowie einen illustrierten Band über Mozarts Leben zu schreiben.

In den 60er Jahren prägte Wolfe mit seinen literarischen Gesellschaftsreportagen den Begriff des „New Journalism“. Auch auf dem Gebiet der Selbstdarstellung war der eher Konservative führend, lange bevor die gezielte Image-Kreation unabdingbarer Bestandteil einer großen Karriere wurde.

Seit 1962 kleidet er sich rund ums Jahr in Weiß und krönt seine Erscheinung hin und wieder mit einem Zylinder. Zwischenzeitlich hatte Wolfe eigenen Angaben zufolge bis zu 40 cremefarbene Maßanzüge in seinem Schrank hängen.

Auch als Schriftsteller pflegt Wolfe seinen eigenen Stil. Er schreibt polemisch, metaphorisch, feuilletonistisch. Er jongliert mit Theorien großer Philosophen wie Sokrates, Descartes und Nietzsche und bedient sich sprachlich bei Popmusik, Jugendsprache und vor allem in seinen früheren Werken der Lautmalerei.

Mit seinen Reportagen, der Sammlung „Das bonbonfarbene tangerinrot-gespritzte Stromlinienbaby“ (1965), „Die Helden der Nation“ (1979) und seinen Romanen - drei dicken Schwarten mit jeweils Hunderten von Seiten - gilt Wolfe als Gesellschafts- und Zeitdiagnostiker, der für jedes Jahrzehnt das passende literarische Sittengemälde liefert.


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