Werbung

Werbung

Werbung

Da ist sie wieder: die Diva!

„Femme fatale“ - ein Bildband von Joachim Nagel

© Die Berliner Literaturkritik, 18.12.09

Von Ariane Stürmer

Da ist sie wieder, die Diva, die Unnahbare, die Verführerin, die femme fatale: mit wallendem Haar, alabasterner Haut, dunklen Augen und verführerischem Blick. Ihre Lippen prall und rot, ihre Brüste bedeckt von einem Hauch von Kleid. Die Femme fatale, wie Künstler sie sich seit Jahrtausenden erträumen.  Der Literaturwissenschaftler und Kulturhistoriker Joachim Nagel hat ihr jetzt einen Bildband gewidmet. Auf rund 130 Seiten hat er ihre Geschichte, ihr Abbild in Kunst und Kultur und ihre Faszination in Wort und Bild gebannt. „Femme fatale – Faszinierende Frauen“ ist im Belser Verlag erschienen und ganz fraglos vor allem eines: Ein Buch zum Anschauen und Blättern - nicht nur für Männer.

Nagel hat die Geschichte nach herausragenden Frauen durchsucht und ist in jedem Zeitalter fündig geworden. Da sind, gleich zu Beginn, jene biblischen Gestalten: Lilith, die dem Paradies entflohene Dämonin, Judith, die dem Holofernes den Kopf abtrennte und Salome, die den Kopf von Johannes dem Täufer verlangte (und auch bekam). Gleich auf den ersten Seiten des Buches wird klar, dass Nagel nicht nur die Erotik der Frauen schildern will. Er zeigt sie auch als kühle Taktiererin, mit „gnadenloser Unnahbarkeit“ und „erklärtem Vernichtungswillen“. Die schöne Frau als Fatalismus des Mannes.

Als Femme fatale begegnen dem Leser auch Aphrodite, Circe, die schöne Helena oder die schlangenhaarige Medusa. Nagel hat sich für eine weitgehend kunsthistorische Gliederung entschieden – weitgehend, weil diese Ordnung immer wieder durchbrochen wird von einem höchst eigenwilligen Kapitelaufbau. Während die ersten Kapitel noch chronologisch nach dem Auftreten der jeweiligen Frauen in der Weltgeschichte sortiert sind (die Bibel mit den oben genannten, die Antike mit Salome, Aphrodite, der Spinx und Cleopatra), folgen darauf Kapitel, die sich der Darstellungsart der Femme fatale in der Kunst widmen.

Da sind die Hexen des Mittelalters, Ritter Tannhäuser und „Frau Venus“, Salome, Judith und andere namenlose Schönheiten in der Darstellung der Renaissance (meist in Rottönen), düstere Darstellungen von Frauen in der Romantik, die Femme fatale der Belle Époque als „mondäne Sünderinnen“, der Vamp im Film der 20er und 30er Jahre, schließlich die Musen des Surrealismus und die Verkörperung des weiblichen Ideals im Kino: Rita Hayworth, Brigitte Bardot, Audrey Hepburn und Sharon Stone. Freilich, sie sind alle versammelt, die Figuren, die man unter dem Begriff Femme fatale vereinen kann – nur ihre eigenwillige Aufteilung in Kategorien verwirrt.

Unabhängig davon aber sind die teilweise ganzseitigen und farbigen Abbildungen durchaus treffend ausgesucht. Joachim Nagel hat die schönsten Kunstwerke zum Thema vereint – von Tizian, Tintoretto, Cranach d.Ä., Mucha, Klimt, Franz von Stuck sowie einer ganzen Reihe weniger bekannter Künstler. Obwohl durchaus Bilder aus unterschiedlichen Epochen gezeigt werden, bleibt aber letztlich der Eindruck, Nagel habe sich fast ausschließlich auf die Kunst des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts beschränkt.

Zu jeder Femme fatale gibt es einen knappen Text, der ihre Geschichte zusammenfasst. Enttäuschend: Das Buch ist ausschließlich auf die europäische und, mit wenigen Ausnahmen, orientalische Geschichte und Kunst beschränkt. Was aber ist mit der Femme fatale in der asiatischen oder afrikanischen Kunst? Einleitend verspricht Nagel, sein Buch fange den „Facettenreichtum“ der Femme fatale in der Kunst ein. Doch Nagel vermag die „faszinierenden Frauen“ nicht in ihrer Gesamtheit zu erfassen – und so bleibt sein Buch letztlich eine Skizze.

Literaturangabe:

NAGEL, JOACHIM: Femme fatale. Faszinierende Frauen. Belser Verlag, Stuttgart 2009. 128 S., 24,95 €.

Weblink:

Belser Verlag

 

 

 


Bookmark and Share

BLK mit Google durchsuchen: