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Christa Wolf stellt „Toten“-Buch von Unseld-Berkéwicz vor

Das Buch ist die erste Belletristik-Publikation von Unseld-Berkéwicz seit dem Tod ihres Mannes

© Die Berliner Literaturkritik, 24.04.08

 

BERLIN (BLK) – Die Suhrkamp-Verlagschefin und Autorin Ulla Unseld-Berkéwicz hat in Berlin ihr neues Buch „Überlebnis“ vorgestellt. Die Schriftstellerin Christa Wolf führte am Mittwochabend (23. April 2008) in den Text ein, der die Begegnung mit dem Tod und die Erinnerung an Verstorbene thematisiert. „Die Todesangst geht im sich überschlagenden Getriebe unserer Spaßgesellschaft zugrunde, wir wollen uns den Tod vom Leibe halten“, mahnte Wolf in ihrer Eingangsrede einen intensiveren Umgang mit dem Sterben an. Anschließend las die 56-jährige Unseld-Berkéwicz aus ihrem Buch.

In „Überlebnis“ berichtet eine Erzählerin, wie sie das Lebensende von Familienangehörigen und ihres Ehemannes erlebt und dann verarbeitet hat. Das Buch ist die erste Belletristik-Publikation von Unseld-Berkéwicz seit dem Tod ihres Mannes, dem Verleger Siegfried Unseld, im Oktober 2002. Es schildert in schonungslosen Worten die Umstände vom Sterben und dem Unverständnis, wie die Gesellschaft dem Tod begegnet.

Dass Sterbende keinen angemessenen Platz in der Gesellschaft haben, bringt Unseld-Berkéwicz besonders in den Passagen über den Tod ihres Ehemannes zum Ausdruck, der namenlos „der Mann“ heißt und in einer feindlich gesinnten Krankenhausumgebung hilflos ist. Das Buch sperre sich gegen jede Gattungszuschreibung, sagte Wolf. Schließlich gebe es in dem Werk, in dem die jüdische Mystik der Kabbala eine besondere Bedeutung spiele, keine Handlung und keine vorhersehbare Struktur.

Der Text der Autorin, die unter dem Namen Berkéwicz publiziert, sei „ein Totenbuch“, das sich den Toten der Erzählerin widme, sagte Christa Wolf. „In diesem Buch wird gestorben, es wird das Sterben begleitet, es werden die Fassungslosigkeit und die Trauer um einen Verlust nicht benannt, sondern in dem Text aufgehoben.“

Wolf zeigte sich zudem besorgt über der heutigen Art und dem Stellenwert von Beerdigungen. Mit dem flüchtigen „Bestattungstourismus“ werde die Gesellschaft zunehmend einer jahrtausendealten Tradition zur Ehrung der Toten untreu. Das wäre „eine folgenschwere Verarmung der Werte“.

In dem ehemaligen Jüdischen Waisenhaus im Berliner Stadtteil Pankow saßen eine Reihe von Schriftstellern, darunter Christoph Hein, Volker Braun, Rainald Goetz und Daniela Dahn. Auch Ex-Kulturstaatsministerin Christina Weiss war gekommen.

Zu Beginn des Abends hatte die 79-jährige Wolf entsetzt von einem antisemitischen Vorfall berichtet. Ein Plakat zu der Berkéwicz-Lesung war auf einer nahen Straße mit einer Schmähschrift versehen worden. Weitere Werbezettel seien heruntergerissen worden. (dpa/wip)

Literaturangaben:
BERKÉWICZ, ULLA: Überlebnis. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008. 138 S., 14,80 €.

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