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Buchmesse in Buenos Aires

© Die Berliner Literaturkritik, 07.05.09

Von Anna Zwenger

BUENOS AIRES (dpa) – Wenn es nach dem Gedränge auf der 35: Internationale Buchmesse in Buenos Aires geht, hat die wichtigste Bücherschau aus Lateinamerikas erfolgreich der Krise getrotzt. Veranstalter sind zuversichtlich, den Erfolg vom Vorjahr zu wiederholen. Damals kamen mehr als 1,2 Millionen Besucher an den 19 Messetagen in die Rural, das Messezentrum der Millionenmetropole. Mehr als 100 Verlage aus 42 Ländern stellen auf 45 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ihre Titel vor. Die ersten Angaben von Verlagen über die Verkaufszahlen sind optimistisch. Noch bis kommenden Montag ist die Messe für Besucher geöffnet.

Im Gegensatz zur Frankfurter Buchmesse ist die Messe in Buenos Aires eine Publikumsmesse. Auch Menschen, die sich sonst nicht so sehr für Bücher interessieren, können hier auf Tuchfühlung mit der Literatur gehen. „Die Messe ist nur ein paar Tage für Fachbesucher geöffnet, und dann fast drei Wochen für die Stadt“, sagt Jürgen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse. Boos ist von der argentinischen Messe begeistert: «Obwohl es hier eine gut funktionierende Buchhandelsstruktur gibt, pilgern alle hierher.“

Argentinien wird nächstes Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse sein und damit eine große Chance für argentinische Verleger. „Frankfurt bietet die Möglichkeit, sich zu vernetzen, Rechte zu kaufen und zu verkaufen sowie Trends mitzukriegen. Das steht in Frankfurt im Vordergrund: ein Netzwerk herzustellen“, sagt Boos im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Nach Mexiko 1992 und Brasilien 1994 wird Argentinien 2010 das dritte südamerikanische Gastland in Frankfurt sein.

In Buenos Aires gibt es neben der reichhaltigen Bücherschau mehr als 1300 Veranstaltungen wie Autorenlesungen, Diskussionen und Vorträge. Zu Gast ist dieses Jahr auch die deutsche Autorin Julia Franck. Sie stellt ihr jüngst ins Spanische übersetzte Buch „Die Mittagsfrau» vor, das 2007 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. „Ich hatte Einfluss auf die Übersetzung, das ist schon etwas Besonderes», sagt Franck bei ihrer Lesung.

„Die Mittagsfrau» wird zurzeit in 33 Sprachen übersetzt und Julia Franck konnte einige Passagen mit den Übersetzern bearbeiten. „Jede Sprache hat ihre individuellen Lösungen für schwierige Textstellen, so auch das Spanische.» Sie sei mit der spanischen Version sehr zufrieden, sagt Franck.

Zu den prominentesten Gästen der Buchmesse zählte der schwedische Autor Henning Mankell. Sein grüblerischer Kommissar Kurt Wallander erfreut sich auch in Argentinien großer Beliebtheit. Im Rahmen der Messe hatte Mankell ein Geheimnis gelüftet: „Es wird einen neuen Wallander-Roman geben.“ Allerdings sei dies wirklich der letzte. „Ich habe die Geschichte so geschrieben, dass eine Rückkehr von Wallander unmöglich ist. Nach diesem Roman kann ich keinen mehr schreiben“, deutete Mankell den Ausgang des Romans an, fügte aber hinzu: „Keine Sorge, Wallander wird nicht sterben.“ (dpa)


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