BERLIN / MÜNCHEN (BLK) – Zum 75. Jahrestag der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten wird an diesem Freitag (9. Mai 2008) und Samstag (10. Mai 2008) in Berlin der verfolgten Schriftsteller und ihrer Werke gedacht. Bundespräsident Horst Köhler wird am Freitag (9. Mai 2008) in der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz sprechen. Unter dem Motto „Literatur auf dem Scheiterhaufen – Der Geist im Feuer“ lesen die Schauspieler Günter Lamprecht und Jutta Wachowiak, die Schriftsteller Volker Braun, Ingo Schulze und Herta Müller aus Werken von Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Bertolt Brecht und anderen Autoren in der Akademie.
Am Samstag (10. Mai 2008) wollen unter anderem die Humboldt-Bibliothek und das spanische Kulturinstitut Cervantes zu einer ganztägigen Gedenkveranstaltung auf dem einstigen Opernplatz, dem heutigen Bebelplatz neben der Staatsoper, an die Verbrennung erinnern. Unter dem Heinrich-Heine-Motto „…dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“ gibt es Ansprachen, Talkrunden, Vorträge, Originaltondokumente, Lieder und Lesungen aus den verbrannten Werken.
Auch auf dem Münchner Odeonsplatz und dem Königsplatz wollen Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Kirche am Samstag an die Bücherverbrennung erinnern. Nach Angaben der Stadt werden dort unter anderem die Kabarettisten und Schauspieler Dieter Hildebrandt, Gerhard Polt, Sunnyi Melles sowie Kardinal Friedrich Wetter, SPD-Fraktionschef Franz Maget und die Bertolt-Brecht-Tochter Hanne Hiob aus verbrannten Werken zitieren.
Von März bis Juni 1933 hatten bald nach dem Regierungsantritt Adolf Hitlers Studenten, Professoren und Angehörige von NS-Verbänden zehntausende Werke jüdischer, marxistischer und pazifistischer Schriftsteller in öffentlichen Aktionen auf Scheiterhaufen geworfen. Bei der zentralen Aktion „Wider den undeutschen Geist“ am 10. Mai 1933 auf dem damaligen Opernplatz wurden unter anderem Bücher von Heinrich Heine, Bertolt Brecht, Franz Kafka, Karl Marx, Heinrich Mann, Alfred Döblin, Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky verbrannt. Allein bei dieser Aktion sollen 30.000 Bücher in die Flammen geworfen worden sein, deren Autoren nicht in die NS-Ideologie passten.
Unter den Zuschauern des Spektakels in Berlin war auch der Schriftsteller Erich Kästner (1899-1974), dessen Bücher ebenfalls in die Flammen geworfen wurden. „Es war widerlich“, erinnerte sich Kästner später. Von den damals lebenden Autoren der verfemten Werke waren zum Zeitpunkt der Bücherverbrennung schon viele ins Ausland geflohen. (dpa/wip)