Beat Stories

Als ein einziger Song die ganze Welt retten konnte

© Die Berliner Literaturkritik, 30.01.09

 

MÜNCHEN (BLK) – Im März 2008 ist im Blumenbar Verlag die Sammlung „Beat Stories“ erschienen. Herausgeber ist Thomas Kraft.

Klappentext: Achtzig deutschsprachige Autoren begeben sich auf einen Trip, zurück in die Zeit der Beat- und Rockmusik der 60er und 70er Jahre. In persönlichen Erinnerungen werden Momente und Geschichten aus der eigenen Jugend lebendig, als ein einziger Song die ganze Welt retten konnte. Oder zumindest einen Sommerabend. Eine literarische Liebeserklärung an die beste Musik aller Zeiten, von den Stones über Iron Butterfly bis Leonard Cohen.

MIT ORIGINALBEITRÄGEN VON:

Alex Capus, Franz Dobler, Tanja Dückers, Walter Famler, Franzobel, Frank Goosen, Gregor Hens, Helmut Krausser, Thomas Meinecke, Norbert Niemann, Albert Ostermaier, Georg M. Oswald, Fabienne Pakleppa, Thomas Palzer, Ulrich Peltzer, Hans Pleschinski, Matthia Politycki, Ingo Schulze, Marlene Streeruwitz, Jan Weiler, Michael Wildenhain u.v.a. (jud)

 

Leseprobe:

© Blumenbar Verlag ©

Während der folgenden acht Sekunden Stille, während denen es aus den Lautsprechern leise brutzelte, betrat der Stripper die Tanzfläche und nahm, während die ersten Takte von „Angie“ liefen, die schönste Tänzerin in den Arm – und schön waren sie alle, die Drogenbräute 1974, du lieber Himmel, schön und gefährlich und geheimnisvoll wie tropische Blumen, und alle sind sie jung gestorben (...) und der Stripper war ihr König. Er trug ein Holzbein, einen mächtigen Schnurrbart und hatte „B-o-r-nto- be-w-i-l-d“ auf die zweitvordersten Glieder seiner zehn Finger tätowiert. Eigentlich hieß er Werner Munzinger und war ein Ur- Ur-Neffe von Josef Munzinger, dem größten Sohn unserer Stadt und ersten Finanzminister des jungen Schweizerischen Bundesstaates von 1848. Als ich ihn kennen lernte, war ich ein Gymnasiastlein und er ein mächtiger Rocker mit Lederjacke und zahlreichen Tätowierungen, dem man auf Schritt und Tritt, zu jeder Tages- und Nachtzeit, in allen Gassen und auf sämtlichen Plätzen begegnen konnte. Wenn er im Ratskeller saß, konnte er unglaubliche Mengen Bier schlucken, und wenn es spät wurde, sprach er nur noch in Reimen. Ich erinnere mich, dass er einmal „Nichts für ungut, ein Bier ist kein Strohhut!“ rief, ein anderes Mal „Gott sieht alles, nur nichts Dralles.“

aus: Alex Capus, Stones und Stripper

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Literaturangaben:
KRAFT, THOMAS (Hg.): Beat Stories. Blumenbar Verlag, München 2008. 320 S., 17,90 €.

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