OSLO (BLK) – In Oslo können Fußgänger und Radfahrer auf ihrem Weg durch die Innenstadt künftig 69 markante Zitate des Dramatikers Henrik Ibsen (1828-1906) auf dem Straßenpflaster studieren. Wie die Ibsen-Stiftung am Mittwoch bestätigte, sind die Arbeiten an dem Projekt „Feinkultur auf Straßenniveau“ abgeschlossen. Handwerker haben die 69 Sätze des Autors von „Nora oder ein Puppenheim“, „Peer Gynt“, „Hedda Gabler“ und anderen Theaterklassikern in rostfreien Stahlbuchstaben auf Bürgersteigen dauerhaft befestigt.
Unter anderem vor der früheren Wohnung des Dichters in der Arbins gate (Arbinsstraße), vor seinem Stammcafé, dem Grand Café, und auf Oslos Haupteinkaufsstraße Karl Johansgate sind unter den Füßen auf Norwegisch Sätze zu lesen wie „Willst du den König treffen, meide den Lakaien.“ Ausgewählt wurden die Sätze nach Vorschlägen von Schülern, Schauspielern, Theaterfachleuten sowie in einem Fall auch von einer Bank als Sponsor der Aktion.
Die Ibsen-Aktion folgte einem schwedischen Vorbild: Zitate des Autors August Strindberg (1849-1912) waren bereits als Mittellinie auf der Stockholmer Einkaufsstraße Drottinggatan eingemeißelt worden. Wegen interner Streitigkeiten der Initiatoren konnte die geplante Fertigstellung in Oslo zum 100. Todestag Ibsens am 23. Mai 1906 nicht eingehalten werden.
Die Zeitung „Aftenposten“ meinte am Tag vor der verspäteten Einweihung, die Auswahl der aus ihrem Zusammenhang gerissenen Zitate ließen Ibsen wie einen „altklugen Schwätzer“ sowie einen „eingefleischten Bewunderer der Machtelite und der Reichen“ erscheinen. Es wirke auch paradox, meinte die Kritikerin weiter, dass die Stadt Oslo „Unsummen zur Bekämpfung von Graffiti ausgibt und nun diesen wesentlich brutaleren Eingriff in das Erscheinungsbild der Innenstadt akzeptiert“. (dpa/rie)